Ich sollte das hier vermutlich gar nicht erzählen. Aber na ja… wenn man als Inkling unbedingt das neue Splatoon-Abenteuer spielen will, muss man eben kreativ werden.

Also habe ich mich vor Monaten bei Nerdkeller eingeschleimt. Erst habe ich den Drucker mit Tinte statt Papier gefüttert, dann sämtliche Kaffeetassen gegen Muscheln ausgetauscht und Martin eingeredet, dass ein “Inkling mit Feld-Erfahrung” die einzig logische Wahl für ein Splatoon-Review wäre. Irgendwann hat er genervt aufgegeben.

Und jetzt sitze ich hier. Mit einer leeren Energydrink-Dose, leicht tintenverschmierten Fingern und einem breiten Grinsen.

Denn Splatoon Raiders ist genau der Spin-off, auf den ich gehofft habe.

Endlich einmal etwas Neues

Nach Jahren voller Revierkämpfe und Salmon-Run war ich ehrlich gesagt etwas nervös. Ein Splatoon ohne den klassischen Multiplayer-Fokus?

Klingt ungefähr so sinnvoll wie ein Inkling ohne Tinte.

Aber Nintendo hat hier genau das Richtige gemacht.

Anstatt einfach nur den bekannten Multiplayer in eine Einzelspieler-Kampagne zu stecken, verwandelt Raiders Splatoon in einen kleinen Looter-Shooter mit Rollenspiel-Anleihen. Man sammelt Ausrüstung, verbessert seine Ausrüstung, experimentiert mit verschiedenen Builds und zieht immer wieder los, um neue Missionen und Schätze zu entdecken.

Und genau dieser Gameplay-Loop macht süchtig.

Immer wieder dachte ich mir:

“Nur noch eine Mission…”

Zwei Stunden später war plötzlich Sonnenaufgang.

Die Spirhalite-Inseln fühlen sich frisch an

Die neuen Inseln bieten deutlich mehr Erkundung als frühere Splatoon-Kampagnen.

Überall warten versteckte Geheimnisse, optionale Ziele, Materialien und neue Waffen. Besonders gefällt mir, dass das Spiel einen ständig dazu motiviert, neue Ausrüstung auszuprobieren.

Die verschiedenen Ink-Tanks verändern den Spielstil spürbar. Mal wird man zum schnellen Tintenninja, mal zum schweren Schadensausteiler oder zum taktischen Unterstützer mit allerlei Gadgets.

Dadurch fühlt sich jede Mission etwas anders an.

Mehr Tiefe als erwartet

Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass Splatoon einmal so viel Wert auf Charakterentwicklung legen würde.

Neue Waffen.

Neue Gadgets.

Verbesserungen.

Schiffs-Upgrades.

Sammelobjekte.

Freischaltungen.

Überall blinkt etwas.

Als Inkling springt mein Gehirn ohnehin sofort auf alles an, was bunt leuchtet. Ich bin mir ziemlich sicher, Nintendo hat unsere Evolution studiert.

Das Gameplay bleibt typisch Splatoon

Das Schönste ist:

Es fühlt sich trotz aller Neuerungen immer noch zu 100 Prozent wie Splatoon an.

Man färbt die Umgebung ein.

Man taucht blitzschnell in die eigene Farbe ein.

Man lädt dadurch Munition nach.

Man bewegt sich unglaublich flüssig.

Die Waffen machen Spaß und das Treffergefühl ist wieder einmal hervorragend.

Gerade in hektischen Kämpfen entsteht dieses typische Splatoon-Chaos, das Fans sofort erkennen werden.

Deep Cut sorgt für jede Menge Charme

Shiver, Frye und Big Man bringen wieder jede Menge Persönlichkeit mit.

Sie sind vielleicht nicht die tiefgründigsten Figuren der Videospielgeschichte, aber genau so herrlich verrückt, wie man sie kennt.

Die Story selbst bleibt zwar eher simpel und dient hauptsächlich dazu, euch durch die Abenteuer zu führen, aber das stört kaum.

Raiders lebt eindeutig vom Gameplay.

Gibt es Kritik?

Ein paar Kleinigkeiten.

Manche Missionen ähneln sich später etwas stärker.

Die Geschichte hätte ruhig etwas mutiger sein dürfen.

Und wer ausschließlich wegen kompetitiver Multiplayer-Gefechte Splatoon liebt, wird hier natürlich etwas anderes bekommen.

Aber das ist auch gar nicht das Ziel.

Raiders möchte bewusst eine neue Richtung einschlagen.

Und genau das gelingt.

Fazit

Splatoon Raiders beweist eindrucksvoll, dass Nintendo seine Reihen nicht einfach nur recycelt.

Der Genrewechsel funktioniert erstaunlich gut.

Die Mischung aus Erkundung, Beutejagd, Waffenvielfalt und klassischem Splatoon-Gameplay macht unglaublich viel Spaß und motiviert auch nach vielen Stunden noch zum Weiterspielen.

Ist das Spiel perfekt?

Nein.

Ist es der mutigste Schritt, den Splatoon seit Jahren gemacht hat?

Definitiv.

Und jetzt entschuldigt mich bitte.

Martin sucht seit einer Stunde den Schlüssel zum Redaktionsarchiv.

Ich sollte ihn ihm vielleicht zurückgeben.

Oder ich färbe ihn vorher noch schnell neonblau ein.

Wertung: 9/10 – Ein frischer Spin-off, der Splatoon in eine neue Richtung lenkt, ohne seine tintenbunte Seele zu verlieren. Für Inklinge ein Pflichtausflug und für Switch-2-Besitzer eines der stärksten Exklusivspiele des Jahres.

Von Martin FORNLEITNER

Nerd, Denker, Schläfer, Zocker und total liebenswert, wenn er nicht gerade Hunger hat.

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