Der Hype rund um Cozy Games ist aktuell größer denn je – und spätestens seit Animal Crossing: New Horizons wissen wir, wie sehr solche Spiele die Gaming-Community in ihren Bann ziehen können. Pokémon Pokopia schlägt genau in diese Kerbe ein und ist gefühlt wie eine Bombe bei der Spielerschaft eingeschlagen. Trotzdem wollte ich das Ganze etwas nüchterner betrachten. Ich bin nämlich kein Hardcore-Pokémon-Fan und wahrscheinlich auch schon eine halbe bis ganze Dekade zu alt, um den ursprünglichen Pokémon-Hype voll miterlebt zu haben. Mein Einstieg war damals mit Pokémon Rubin, und ich habe auch längst nicht jeden Teil gespielt. Was ich aber besonders mag, sind oft die Spin-offs – Dinge wie Pokémon Colosseum, Pokémon Snap, Let’s Go Pikachu/Evoli oder Pokémon Stadium. Genau deshalb war ich auf Pokopia extrem neugierig – vor allem auch als jemand, der viel zu viele Stunden in Animal Crossing versenkt hat. Ich habe mittlerweile rund 40 Stunden in Pokémon Pokopia investiert – und ich verstehe absolut, warum so viele Leute daran hängen bleiben. Das Spiel hat diese ganz spezielle „Nur noch kurz…“-Magie, die man auch von Animal Crossing kennt. Man schaut rein, erledigt ein paar Dinge – und plötzlich sind wieder zwei Stunden vergangen. Dieses fesselnde, fast schon süchtig machende Gameplay gehört definitiv zu den größten Stärken des Spiels. Die Story ist grundsätzlich nett gemacht und gibt einem anfangs auch Motivation, dranzubleiben. Allerdings muss ich ehrlich sagen: Auch nach vielen Spielstunden hat sie mich nicht dauerhaft gepackt. Sie ist okay, aber nicht der Grund, warum ich weiterspiele – das passiert eher trotz der Story als wegen ihr. Sieht aus wie Minecraft, spielt sich aber völlig anders Was mir wirklich gut gefällt, ist die Freiheit beim Bauen. Man kann sich kreativ austoben, sein Gebiet gestalten und wirklich etwas Eigenes erschaffen – das erinnert stark an Animal Crossing, nur mit deutlich mehr Möglichkeiten. Gleichzeitig wirkt das System aber nicht ganz durchdacht. Es gibt Häuser, die man komplett frei wie in Minecraft bauen kann – und dann wieder welche, die man als fertige Baukits findet oder kauft und nur mit bestimmten Materialien und Pokémon-Helfern errichten darf. Diese Mischung fühlt sich einfach nicht konsistent an. Ein weiterer Punkt ist die Größe der Welt. Auf der einen Seite ist es beeindruckend, wie viele Gebiete es gibt, und technisch wirkt das Ganze moderner als seine offensichtlichen Vorbilder. Man merkt auch klar die Inspiration durch Dragon Quest Builders und dessen Nachfolger. Auf der anderen Seite geht dabei aber etwas verloren: die Übersicht. Während Animal Crossing kompakt und angenehm strukturiert ist, wirkt Pokopia manchmal einfach zu groß und zerstreut. Euer erklärtes Ziel ist es, eure Pokémon glücklich zu machen Dazu kommt, dass die Kamera nicht immer optimal mitspielt und das Bauen insgesamt nur „okay“ komfortabel ist. Im Mausmodus mit den Joy-Con funktioniert es zwar besser, aber selbst dann kommt es nicht an die intuitive, schnelle Steuerung heran, die man etwa aus Minecraft kennt. Manchmal wird es auch schlicht chaotisch. In meinem Hauptgebiet wuseln teilweise 30 bis 40 Pokémon gleichzeitig herum. Die einen haben Wünsche, die anderen hängen irgendwo fest, wieder andere interagieren miteinander oder rufen ständig nach Aufmerksamkeit. Das sorgt zwar für Leben – kann aber auch schnell unübersichtlich und leicht stressig werden. Was mich wirklich gestört hat, ist ein ganz simples, aber wichtiges Detail beim Bauen: Es wird nicht angezeigt, wie viele Materialien man noch übrig hat, während man etwas platziert. Wenn ich zum Beispiel Steine stapel, sehe ich nicht, wie viele ich noch im Inventar habe. Das bedeutet: Bauen unterbrechen, ins Menü gehen, nachschauen – oder einfach warten, bis das Material ausgeht. Das ist unnötig umständlich und schreit förmlich nach einem Patch. Eine volle Stempelkarte bringt Geld für den Pokécenter Shop Generell sehe ich in Pokopia extrem viel Potenzial. Ich hoffe sehr auf regelmäßige Updates, Events (Ostern, Weihnachten etc.) und technische Verbesserungen. Genau solche Dinge haben Spiele wie Animal Crossing langfristig getragen – und hier könnte das genauso gut funktionieren. Interessant finde ich auch, wie unterschiedlich man das Spiel angehen kann. Mein Sohn konzentriert sich stark auf die Story, während ich viel lieber mein Gebiet ausbaue, verschönere und gestalte. Diese Freiheit ist definitiv ein Pluspunkt – auch wenn sie mir persönlich manchmal schon fast zu viel wird. Technisch hätte man ebenfalls mehr rausholen können. Die Beleuchtung ist eher mittelmäßig, viele Texturen wirken etwas fad – auch wenn das teilweise sicher dem Artstyle geschuldet ist. Trotzdem fühlt es sich nicht ganz auf dem Niveau an, das möglich gewesen wäre. Home, sweet home! Wenn man mit Feuerpokémons Frühstück machen möchte Unterm Strich würde ich Pokopia aktuell eine solide 7/10 geben. Es ist ein gutes Spiel mit vielen starken Ansätzen, aber eben auch einigen Schwächen. Das Potenzial für eine 9/10 ist definitiv da – wenn die Entwickler dranbleiben, verbessern und erweitern. Den aktuellen Hype kann ich teilweise nachvollziehen, halte ihn aber auch für etwas übertrieben. Ein Teil davon liegt meiner Meinung nach am Pokémon-Namen selbst und daran, dass es (noch) nicht viele Alternativen auf der Switch 2 gibt. Nur für dieses Spiel würde ich mir die Konsole jedenfalls nicht extra kaufen. Und ganz ehrlich: Wenn man sich unsicher ist, ob das Spiel etwas für einen ist, dann ist man wahrscheinlich auch nicht die Zielgruppe. Denn um Pokopia wirklich zu lieben, muss man schon ein ziemlich großer Pokémon-Fan sein. Beitragsnavigation Revell Blossom Festival Review