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The Last Of Us Part II – Review (PS4)

Es ist soweit: Der Nerdkeller hat endlich TloU2 durch. In den nächsten Zeilen findet ihr mein spoilerfreies Review/Fazit, eine spoilerhaltige Analyse und ein finales Statement. Einigen wird das vielleicht nicht schmecken, aber das ist das Internet und nachdem sich die Lager schon gebildet haben ist es eigentlich egal, was ich hier tippe; jeder hat schon seine fixe Meinung und die Mistgabel bereit. Also los geht’s!

Alte Bekannte und neue Wege

Nachdem Naughty Dog mit TloU schon auf der PS3 mit Genrekonventionen und klassischem Storytelling gebrochen hatte war mit Part 2 eigentlich nichts anderes zu erwarten. Zur Story sage ich hier nur so viel: wenn euch Teil 1 gefallen hat und ihr Fans guter Geschichten und vor allem vielschichtiger Charaktere seid, dann wird euch Teil zwei denke ich auch zusagen.

Am Gameplay wurde im Prinzip nicht viel verändert, aber es wurde doch deutlich verbessert. Animationen laufen flüssiger, das Upgradesystem ist immer noch sehr „Videospiel-Like“ und das Crafting ist auch nicht viel komplexer als zuvor geworden. Es gibt einige neue Gegnertypen, diese sind aber eine tatsächliche Bereicherung und führten bei mir zu wirklich spannenden Momenten. Generell muss ich sagen, dass besonders die Klicker/Zombieabschnitte die tollsten Teile des Spiels waren. Das Horrorfeeling und die langsam aufgebaute Spannung waren jedes Mal wieder beeindruckend.

Man merkt auch, dass Naughty Dog von ihren letzten Erfolgen gelernt haben und das führt einfach dazu, dass TLOU2 ein wirklich gutes „Produkt“ geworden ist. Zum einen macht sich dies im Grafikdesign und auch dem EnvironmentalStorytelling bemerkbar (wobei das in manchen Teilen des Spiels sehr banal ist und in anderen wirklich top). Am meisten haben mich aber die Ladezeiten umgehauen. Beim Starten lädt das Spiel ein bisschen, aber wenn es mal rennt, dann rennt das! Die versteckten Ladebildschirme (wenn man z.B. Türen öffnet) sind kurz und auch, wenn man mal ins Gras beißt sind die Ladezeiten super schnell. Danke Naughty Dog, dass hier aufgezeigt wird, dass lange Ladebildschirme nicht nur an der Hardware, sondern tatsächlich am Programming liegen.

Doch wo Part 2 strahlt ist das Sounddesign und der Soundtrack. Oftmals hat man keine Musik und man bewegt sich nur durch die Welt, was es um so deutlicher macht, wenn man wieder mit sanften Gitarrenklängen bespielt wird. Naughty Dog hat hier in meinen Augen das Maximum herausgeholt. Von der wuchtigen Shotgun bis hin zu den Geräuschen der Klicker wurde hier alles getan um eine fesselnde Atmosphäre zu gestalten. Damit diese nicht durch das ständige Pusten des PS4-Lüfters unterbrochen wird empfehle ich auch das Spiel unbedingt mit Kopfhörern zu spielen!

An dieser Stelle möchte ich noch besonderes Augenmerk darauf lenken, dass mit TloU 2 ein Titel geschaffen wurde, welcher wahrscheinlich wegweisend sein wird, was die Zugänglichkeit betrifft. Noch nie habe ich ein Spiel erlebt, welches mir gleich zu Beginn so viele Optionen gibt mein Erlebnis zu gestalten und anzupassen, damit ich diese Story erleben kann. Dabei ist es, egal ob man hör-, seh-, oder auch motorisch beeinträchtigt ist. Klar ist dies nicht bei allen Titeln uneingschränkt möglich, doch ich würde mir wünschen, dass dies als Vorbild dienen kann

Ich kann jedem diesen Titel ans Herz legen dem Teil 1 zugesagt hat. Man darf wieder tief in die Welt von The Last OfUs eintauchen, eine spannende und auch fordernde Geschichte erleben. Das Gameplay ist, wie auch zuvor, nicht der Star hier, auch wenn es deutlich besser wurde. Ist es nun ein Meisterwerk? Ich denke, dass dies von der Interpretation des Begriffs abhängt. Naughty Dog haben mit Part 1 eine ungesehene Story erzählt. Nach damals haben wir dies bereits öfter in ähnlicher Form erneut gesehen. Doch auch hier hat das Team etwas Neues probiert und über 26 Stunden habe ich die Vision einer Geschichte miterleben dürfen, welche man so nicht alle Tage serviert bekommt. Für mich ist es ein großer Schritt nach vorne, was die Handlungsentwicklung in Spielen angeht und dafür gebührt applaudiert. Aber ich denke, dass wir in 4 Jahren, zumindest das Gameplay, nicht mehr als zeitgemäß empfinden werden. Und wenn Meisterwerke eines sind, dann ist es zeitlos. Das macht The Last Of Us Part 2 zu einer tollen Story, aber nur zu einem guten Spiel. (8/10) kbm

Spoiler Warnung! Meinungswarnung!

Wenn ihr The Last Of Us Part 2 durchhabt, dann wird euch wohl einiges beschäftigt, aber auch gestört haben. Ich muss gleich nochmals erwähnen, dass ich das Spiel super fand und besonders die Story ist großartig! Vieles davon hängt aber auch von der Betrachtung ab. Klar ist es kontrovers, wenn ein „beliebter“ Charakter sehr früh in der Story stirbt. Aber warum ist das wichtig? Für mich hat es Ellies Motivation erklärt und es die Handlung in Gang gebracht. Weiters ist durch Joels Ableben nichts geschehen was er nicht verdient hätte.

Kurze Erinnerung: Joel hat im Alleingang eine mögliche Heilung für die Menschheit, aus egoistischen Motiven heraus, verhindert. Zwar wird nie erklärt warum dies nur an diesem Ort, von dieser einen Person durchgeführt werden kann (das wird für mich persönlich im Verlauf von Teil 2 noch absurder, da man als Arzt nicht einfach einen Impfstoff herstellen kann)aber zumindest war dies das Setup von Teil 1.

Joel ist ein egozentrischer, traumatisierter Psychopath (ohne hier eine Diagnose stellen zu wollen) und in Teil 2 bekommt er dafür die Rechnung serviert. Dass Ellie, Tommy und andere das wahrscheinlich anders sehen macht dabei aber durchaus Sinn.

Ellies Gegenspielerin Abby hat auch ganz klare Motive. Auch sie ist kein „guter“ Mensch und ermordet Joel aus reinem Egoismus. Spannender Weise gibt es ihr auch keinen Abschluss und führt dazu dass sie von Teilen ihrer Gruppe sogar geächtet wird. Dass sie anschließend zwei Kindern, aus einer verfeindeten Fraktion, hilft kauft man ihr nicht ab. Sowohl andere Charaktere, als auch als Spieler tut man dies nicht. Doch sie selbst glaub die Lüge die sie sich erzählt.

Abby ist in meinen Augen auch der Star der Story. Sie durchläuft eine richtige Entwicklung und auch, wenn sie kein guter Mensch ist, so ist sie am Ende immer noch besser als Ellie, die bis zum Ende der Story braucht um endlich zu erkennen, dass der Weg, der immer stärker eskalierenden Gewalt zu keinem Abschluss führt. Abby lernt dies viel früher, da sie Ellie zwei Mal am Leben lässt. Beim ersten Mal wiederwillig, beim zweiten Mal weil sie den Schritt einen Schlussstrich zu ziehen geschafft hat.

Zum Ende hin hat Ellie nichts von ihrer ständigen Sucht nach Erlösung. Sie ist geschlagen und von ihren Trieben verzehrt. Sie zerstört ihre Familie und auf dem Weg beinahe sich selbst. Fesselnd fand ich, dass Ellie zum Schluss quasi alles, bis auf ihr Leben verloren hat. Selbst ihre Verbindung zu Joel verliert sie durch den Verlust zweier Finger. Ellie findet bei Abby Erlösung; aber nicht so wie sie es erwartet hatte.

Ich muss hier auch anmerken, dass nicht Alles was NaughtyDog storymäßig versucht, auch gelingt. Ich persönlich habe nie eine volle Verbindung zu Abby aufgebaut, aber ich habe ihren Weg verstanden. Selbiges gilt für Ellie. Besonders sind mir hier die beiden Bossfights in Erinnerung geblieben, da ich eigentlich nicht mehr kämpfen wollte. Doch die Charaktere waren noch nicht an diesem Punkt angelangt. Darum war es für mich eine Qual mich durchzuprügeln, aber ich nehme an, dass genau das das Ziel war. 

Zum Thema Sexualität möchte ich auch noch etwas hier stehen lassen. Dass man zwei Frauen spielt hat nichts mit einer Agenda zu tun. Nichts an dem Spiel würde besser sein, wenn man zwei Männer im Zentrum hätte. Im Gegenteil! Besonders weil Abby eine Frau ist irritieren einen die riesen Oberarme, mit welchen sie versucht ihre Schwächen zu überwinden. Gerade weil Ellie eine Frau ist (und dabei eine ziemlich schmächtige auch noch) wirkte der Rambomodusirgendwie verstörend.

Wichtig ist hier auch anzumerken, dass es extrem wichtig ist, dass Ellie und Dina eine Beziehung haben. Klar könnte auch ein Typ es blöd finden, wenn Dina ein Kind von ihrem Ex erwartet, aber für Ellie ist die noch schlimmer! Das Kind kann nicht von ihr sein und sie wird auch nie eines mit Dina haben! Das macht die Situation noch deutlich gravierender. Wäre Ellie also ein Typ wäre die Situation nur halt so wild; denn der kann eine Familie mit Dina gründen. Ellie kann dies nur, weil Dina das Kind eines anderen in sich trägt.

Die Storyline um die beiden Serphite-Kinder fand ich auch sehr interessant. Transsexualität ist etwas, womit wir in unserer Gesellschaft selten konfrontiert sind und es ist ein immer noch heiß diskutiertes Thema (wobei ich nicht ganz verstehe warum). Levs Geschichte ist tragisch, speziell wegen seiner Mutter, aber leider wird das Thema in der Handlung sehr beiläufig aufgegriffen und sie dient mehr als Katalysator um die Entwicklungen ins Laufen zu bringen. Ich habe hier keinen Rat wie man das Thema hätte besser behandeln können, aber mir kam diese Storyline etwas dünn vor, was ich schade finde.

Final möchte ich hier sagen: wenn man ein Problem mit der Darstellung der Charaktere und deren Sexualität hat, dann sagt das mehr über einen selbst, als über das Spiel aus. Hier wurde keine Agenda verfolgt und wenn es einem nicht passt, dass man zwei Frauen anstelle eines alten Texaners spielt, dann soll man sich bitte einfach mal getrost schleichen. Niemand legt wert auf Menschen die engstirnig, entitled und eingebildet sind. Das Leben dreht sich nicht um kleine weiße Bubis die der Meinung sind die Welt schuldet ihnen etwas; und das ist gut so! Egal was man sonst im Internet an Kommentaren liest, die versuchen, die Handlung zu trashen: Die Charaktere sind glaubhaft, die Motive sind nachvollziehbar und alles was geschieht macht Sinn. Besonders das Ende. Nicht jedem muss die Story zusagen, aber die eigenen Aversionen über rationale Argumente rechtfertigen zu wollen ist in diesem Fall leider nicht möglich. Naughty Dog haben ihre Hausaufgaben gemacht und darum bleibt uns eine tolle Geschichte in einem soliden Spiel. Dafür sage ich danke!

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