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PES 2017 Review

An den jährlichen Updates diverser Sportspiele merken wir Gamer, dass ein weiteres Jahr ins Land gezogen ist. FIFA, NHL, NFL, NBA und natürlich auch PES werben jährlich um die Gunst der Sportbegeisterten und prophezeien Jahr für Jahr bessere Erlebnisse. Ob das bei der diesjährigen Ausgabe von Pro Evolution Soccer 2017 zutrifft, verraten wir euch im Test.


Anpfiff

Zugegeben: Ich liebe die Pro Evolution Soccer Spiele! Aber Konamis Fußball Simulation und ich mussten in unserer langjährigen Liebesbeziehung so manche Hürden nehmen. Besonders in den Jahren 2009 bis 2014 war ich PES mit der Konkurrenz aus dem Hause EA untreu. Das hat sich aber wieder eingespielt, denn seit PES 15 bin ich wieder hin und weg von Konamis Kicker-Orgie. Letztes Jahr setzte PES 16 in Sachen Spielbarkeit neue Maßstäbe, was von Fans und Fachpresse hochgelobt wurde. Und dieses Jahr?

Nun, Pro Evolution Soccer 2017 ist erneut ein sehr gutes Spiel geworden, aber die großen Innovationen bleiben aus. Ähnlich wie schon 2K beim aktuellen NBA 2K17, hat auch Konami nur an den richtigen Stellschrauben gedreht und nur eine Neuerung eingebaut, die jedoch spürbare Auswirkungen auf das Spielgeschehen hat. Das wiederum macht PES 2017 aber noch lange nicht zu einem perfekten Fußball Spiel, da bekannte Kritikpunkte beibehalten wurden. Schade, aber kein Beinbruch.

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Im Vergleich zum großartigen Vorgänger spürt man die Änderungen diesmal wirklich nur auf dem Spielfeld. Was die Präsentation angeht, sehe ich keine nennenswerten Unterschiede zum Vorjahr, Fox Engine sei Dank. Die Charaktermodelle sind gut modelliert, wobei hier berühmte Spieler deutlich besser aussehen, als andere Fußballer, die nicht Ronaldo, Neymar oder Götze heißen. Was die Animationen angeht, ist PES 2017 aller erste Sahne. Zweikämpfe, Dribblings, Laufanimationen, alles wirkt realitätsgetreu und zeigt, dass wir auch dieses Jahr eine spielerisch an die Perfektion grenzende Fußball-Simulation bekommen. Anders sieht es da bei den Jubelstürmen aus. Schießt man ein Tor, zeigt die Kamera euren Spieler im Siegestaumel. Und hier wirkt PES 2017 leider ein wenig altbacken. Die Animationen wirken erschreckend zweitklassig und Clipping Fehler verderben das sonst geile Fußball-Feeling. Wenn der Arm von Marco Reus im Torso von Aubameyang verschwindet, dann ist das leider nicht sehr zeitgemäß und fällt in der sonst tadellosen Präsentation negativ auf.

KI & Co.

Was jedoch äußerst positiv auffällt, ist die verbesserte KI eurer Mit- als auch Gegenspieler. Hier reden wir von den Stellschrauben, die ich eingangs erwähnt hatte. In der Abwehr spürt man das beim Spielen am stärksten. Die Spielgeschwindigkeit ist im Vergleich zu PES 16 minimal gedrosselt worden, was dafür sorgt, dass ihr euer Spiel noch taktischer aufbauen müsst. Und hier kommt die genannte KI der Spieler zum Tragen. Denn es ist noch schwieriger, den Ball durch die Abwehr zu bekommen. Gegnerische Abwehrspieler stellen Laufwege zu, positionieren sich taktisch klug und fangen nicht gut überlegte Pässe mit Leichtigkeit ab. Da ist im Matchverlauf Umdenken angesagt, was dazu führt, dass ihr Spielzüge wechseln müsst. Und hier zeigt sich die einzige große Neuerung bei PES 2017: Im Taktik Menü könnt ihr sog. „erweitere Anweisungen“ den vier Richtungstasten des Steuerkreuzes zuweisen. Im Spielverlauf reicht dann ein Druck auf eine der Richtungstasten und eure Mannschaft stellt sich komplett um. Aus einer Viererkette wird plötzlich eine Dreierkette, Verteidiger positionieren sich im äußeren Mittelfeld oder euer einzelner Stürmer bekommt Gesellschaft und macht seinem Mitspieler im Angriff Platz. Die verbesserte Gegner-KI kriegt das natürlich mit und orientiert sich ebenfalls neu, um euch das Leben schwer zu machen. So entsteht ein taktischer Spielfluss, der euch nicht nur auf dem Feld als Spieler, sonst auch als Trainer und Stratege einiges abverlangt. Diese Echtzeit-Anweisungen sorgen für jede Menge Spielspaß, da die Partien als Folge unterschiedlicher nicht sein könnten.

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Damit Spiele gegen computergesteuerte Mannschaften nicht so schnell langweilig werden, sorgen auch zahlreiche Spielmodi, die es aus dem Vorgänger auch in das aktuelle Spiel geschafft haben. „Werde zur Legende“, „My Club“, diverse Wettbewerbe wie die UEFA Champions League oder die EURO League fesseln über Wochen an den Controller und lassen sich sogar optional im Koop spielen. Dabei kann sich ein Freund einfach per Knopfdruck dazu schalten und euch zur Seite stehen. Doch leider ist nicht alles Gold was glänzt, was man z. B. im „Werde zur Legende“ Modus merkt. Hier erstellt ihr euch einen eigenen Spieler oder wählt einen bereits existierenden Kicker aus. Dann geht’s in einem kleinen Club darum, in der Liga aufzusteigen und sich einen Namen zu machen. Ihr steuert dabei nur euren eigenen Recken auf dem Spielfeld. Eure Mitspieler werden von der KI gesteuert, was tadellos funktioniert. Leider präsentiert sich der Modus abseits der Matches recht langweilig. Neben den Pflichtspielen könnt ihr beispielsweise trainieren, um eure Fähigkeiten auszubauen. Dafür verfrachtet euch das Spiel aber nicht etwa auf den Platz, sondern in ein Menü, in dem ihr Attributs-Punkte vergeben könnt. Langweilig! Auch sind die Entscheidungen eures Trainers nie ganz logisch. So könnt ihr in zwei Spielen hintereinander mehrere Tore erzielt und auch vorbereitet haben, und doch setzt er euch in der nächsten Partie auf die Ersatzbank. Das sind die kleinen Dinge, die beim Spielen sauer aufstoßen. Zum Glück machen die Matches auf dem Platz aber alles andere richtig.

Euren selbst erstellten Spieler könnt ihr übrigens auch in den zahlreichen Online Modi einsetzen. Egal ob Einzelspiel, Wettbewerb oder Liga. Die in der Testphase angegangenen Partien liefen stets flüssig und boten gegen menschliche Gegenspieler eine tolle, wenn auch beinharte Spielerfahrung. Es ist schon ein Unterschied, ob ihr gegen die KI oder einen Menschen spielt, der die Steuerung und die taktischen Züge des Spiels perfekt beherrscht. Und es macht wahnsinnig Spaß!

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Jetzt möchte ich auf das leidige Thema der Lizenzen zu sprechen kommen, denn wie jedes Jahr steht es auch 2017 zur Debatte. Was die Bundesliga Lizenz angeht, bekleckert sich Konami weiterhin nicht mit Ruhm. Nur drei deutsche Teams sind im Spiel vertreten: Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund und der FC Schalke 04. Selbst Bayern München, Stammmannschaft in den Vorgängern, ist diesmal nicht dabei. Das sorgt natürlich für Frust bei Deutschen Fußball Fans, was ich nachvollziehen kann. Diesmal sind aber zumindest die brasilianische und argentinische Liga vertreten, was den Südamerikanischen Wettbewerben im Spiel sehr gut tut. Im direkten Vergleich hat aber die Konkurrenz auch dieses Jahr die Nase vorn und das wird sich bei den Lizenzen wohl auch nicht so schnell ändern.

Was Konami aber dringend ändern sollte, sind die Kommentatoren. Das deutsche Duo kann nicht überzeugen. Die Kommentare wiederholen sich nicht nur schnell, sie passen auch oftmals nicht zum Spielgeschehen. Etwa, wenn der Ball an den Posten knallt und der Kommentator ein Tor feiert oder aber mein Spieler in der Karriere als „schlecht“ dargestellt wird, wenn ein Schuss danebengeht, ich aber im gesamten Spiel bereits einen Hattrick erzielt habe. Das führte dazu, dass ich mit dem Gedanken gespielt habe, den Kommentar komplett abzustellen. Und das war bei mir bisher noch in keinem Fußball-Spiel Thema. Hier besteht wirklich dringend Nachholbedarf.

Was also lässt sich zusammenfassend zu PES 2017 sagen? Ist es ein tolles Fußball-Spiel? Oh ja! Ist es die perfekte Fußball-Simulation? Jein! Denn obwohl es auf dem Platz nichts zu meckern gibt, die erweiterten Anweisungen mehr Spieltiefe reinbringen und auch die KI verbessert wurde, krankt das Spiel an anderer Seite und zerstört die Immersion durch unlogische Entscheidungen (Karriere Modus), fehlende Lizenzen oder einen grottenschlechten Kommentar. PES Fans, die den Vorgänger besitzen, sollten aber aufgrund der spielerischen Verbesserungen trotzdem einen Blick riskieren, denn letztendlich findet das Spielgeschehen ja auf dem Rasen statt und da ist PES 2017 ohne Fehl und Tadel! 8.4/10 as

 

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