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Beitrag Review 

Mafia 3 Review

Neues Entwicklerstudio, neuer Held, neue Stadt – Mafia 3 hält einige Neurungen bereit, die im Vorfeld für Skepsis und Misstrauen bei den Fans der ersten beiden Mafia Spielen gesorgt haben. Nun ist das Open World Spiel draußen und zeigt viele Parallelen zu den direkten Vorgängern auf, macht aber auch deutlich, dass nicht alles Gold ist, was in New Bordeaux auf den Straßen glänzt.


Von alten Stärken und neuen Schwächen 

Der Autor dieser Zeilen ist großer Fan des 2010 erschienenen Mafia 2. Damals vom Studio 2K Czech entwickelt, bot das Action-Adventure eine kinoreife Story, die sich nicht vor Filmgrößen verstecken musste. In der Haut des Italieners Vito Scaletta stieg man in der „Familie“ auf und sorgte in der fiktiven Stadt Empire Bay für Aufsehen. Das Spielerlebnis war rund, blieb aber spielerisch hinter der Konkurrenz, wie etwa GTA IV zurück. Was Mafia 2 aber auszeichnete, war die Geschichte und deren Präsentation. Die Charaktere waren plastisch, interessant, dreidimensional, ihre Handlungen stets glaubhaft.

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Und genau das ist auch die größte Stärke des von Hangar 13 entwickelten Mafia 3. Das Studio liefert mit den dritten Teil des Mafia-Epos ihr Debut-Spiel ab und zeigt deutlich, wie die Handlung in solch einem Spiel erzählt werden kann. Dabei setzen die Entwickler auf Interviews von Zeitzeugen, die euch von dem Werdegang des neuen Protagonisten, Lincoln Clay, berichten. Darüber hinaus werdet ihr gleich zu Beginn Zeuge eines Untersuchungsausschusses, der Clays Wegbegleiter ausfragt. Auf diese Art werdet ihr filmreif in die Geschehnisse eingeführt, was von hervorragenden Zwischensequenzen begleitet wird. Mit toller deutscher Sprachausgabe und überragenden Charaktermodellen mitsamt realistischen Gesichtsanimationen wird die Story von Lincoln Clay erzählt. Als Vietnam Veteran kehrt er 1968 nach New Bordeaux zurück und wird dort mit allerlei Problemen konfrontiert.

Nicht nur, dass sein Ziehvater einer der einflussreichsten Mafia Bosse der Stadt ist, nein, auch mit Rassismus hat Lincoln zu kämpfen. Das Spiel setzt viel auf dieses brisante Thema, was sogar in einem Hinweis beim Spielstart deutlich hervorgehoben wird. Und das ist auch gut so, denn Mafia 3 spielt in den sechziger Jahren und präsentiert uns einen afroamerikanischen Helden … das es diese Menschengruppe damals alles andere als leicht hatte, ist leider ein Fakt und somit ist es löblich, dass die Entwickler diesem Thema in ihrem Spiel nicht aus dem Weg gehen. Lincoln wird auf der Straße von Weißen beschimpft, muss sich mit allerlei Vorurteilen herum schlagen und wird sogar in diversen Geschäften nicht geduldet. All das sorgt für eine realistische Atmosphäre in einer echt wirkenden Stadt. Und genau das ist das absolut größte Plus in Mafia 3: die atmosphärische Erzählweise der Handlung in einer real wirkenden Welt der 60er Jahre.

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Viel möchte ich nicht verraten und halte mich daher kurz: Clays Familie wird verraten und grausam ermordet. Er allein überlebt und sinnt fortan auf Rache. Mit allerlei Verbündeten steigt er wie der Phönix aus der Asche und übernimmt Stück für Stück die ganze Stadt, um denjenigen aus dem Versteck zu locken, der für den Mord an seinen Liebsten verantwortlich ist. Das ist das Grundgerüst von Mafias Geschichte. Was im ersten Moment recht simpel klingt, wird durch die zuvor genannten Vorzüge aber auf ein sehr hohes Niveau gehoben, was zum Weiterspielen animiert. Wenn euch etwas bei Mafia 3 an den Controller fesselt, dann ist es Lincoln Clays Geschichte.

Spielerisch orientiert sich das Entwicklerstudio am bekannten Open-World-Grundgerüst und erinnert im Jahr 2016 eher an ein GTA V als an den sechs Jahre alten Vorgänger. New Bordeaux ist riesig, die Schauplätze unterschiedlich und die Aufträge (zumindest anfangs) abwechslungsreich. Um den Mörder seines Ziehvaters aus seinem Versteck zu locken, übernehmt ihr in der Haut von Lincoln die diversen Stadtbezirke New Bordeauxs. Das gelingt euch, in dem ihr die Geschäfte von verschiedenen „Unterbossen“ sabotiert und diese letztendlich eliminiert. So müsst ihr beispielsweise ein Bordell übernehmen, Drogenlieferungen abfangen oder die Mitglieder des Mobs ausschalten, der in besagtem Stadtgebiet das Sagen hat.

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Um dem nachzukommen, könnt ihr euch mit allerlei Waffen ausrüsten und in Rambo-Manier durch die Ortschaften schießen, oder aber ihr nehmt das Messer in die Hand und setzt Sam Fisher-mäßig auf eure Stealth-Künste. Beide Herangehensweisen funktionieren, haben aber Vor- und Nachteile. So sind die Schusswechsel leider weniger gut gelungen, was an der stupiden Gegner-KI liegt. Verschanzt ihr euch hinter einer Deckung, könnt ihr eure Feinde ohne Probleme über den Haufen schießen, da sie wie Schießbudenfiguren auf euch zu rennen. Das sorgt für kurzweilige, aber auf Dauer eher langweilige Schiesserein, was schade ist, da das Deckungssystem und das Handling der Waffen recht gut gelungen sind. Nur wenn mehrere Feinde euch gleichzeitig aufs Korn nehmen und ihr zudem auf einem höheren Schwierigkeitsgrad spielt, kommt ihr ins Schwitzen. Eine bessere KI hätte hier Wunder bewirkt. Gleiches gilt auch für das Schleichen. Auf Knopfdruck könnt ihr pfeifen, um Gegner anzulocken. Diese marschieren dann frohen Mutes auf euch zu, um leise ausgeschaltet zu werden. Und da die besagte Gegner-KI der Gegenspieler nicht gerade hoch ist, könnt ihr euch seelenruhig durch das ganze Gebiet schleichen, ohne entdeckt zu werden, solange ihr aus dem Blickwinkel der Gegner verschwindet. Das macht das Schleichen sehr leicht und hält somit die Herausforderung beim Spielen gering. Hier haben Spiele wie GTA V oder Sleeping Dogs mehr zu bieten.

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Das betrifft übrigens auch die Nebenaktivitäten in New Bordeaux. Wo euch Hauptaufträge mit tollen Zwischensequenzen belohnen, fungieren Nebenaufträge als Mittel zum Zweck, um mehr Geld oder Reputation zu erhalten. Nehmt ihr ein Stadtgebiet ein, könnt ihr einen eurer Untermänner zum Boss des Viertels bestimmen. Diese sorgt dann dafür, dass das Geld eingenommen wird und in eure Tasche fließt. Um sein Vertrauen aufrecht zu erhalten, könnt ihr Nebenaufträge erledigen, die sich leider sehr schnell gleichen, was ein monotones Abarbeiten auf den Plan ruft. Und da ihr euch außerhalb der Haupt- und Nebenaufträge nur mit dem Suchen diverser Sammel-Items beschäftigen könnt, stellen die Aufträge den einzigen spielerischen Reiz dar. Nebenaktivitäten wie etwa bowlen gehen, shoppen, an der Börse handeln, etc. gibt es nicht. So wirkt New Bordeaux leider leer und langweilig, obwohl die Stadt mit den unterschiedlichen Gebieten toll in Szene gesetzt wurde. Ihr fahrt lediglich von Auftrag zu Auftrag und haltet nur an, um ein Playboy Magazin oder ein Schalplatten Cover aufzusammeln. Hier haben die Entwickler einfach viel zu viel Potenzial verschenkt, was ebenfalls eine Parallele zu Mafia 2 ins Gedächtnis ruft. Wir erinnern uns: in Empire Bay gab es abseits der Handlung leider auch nicht viel zu tun, was anno 2010 für Kritik sorgte. Schade, dass die Entwickler nichts draus gelernt haben.

Fazit

Fassen wir bis hierhin kurz zusammen: Mafia 3 unterhält großartig mit einer grandios in Szene gesetzten Geschichte und einem glaubhaften Helden mitsamt Nebenfiguren. So wie der Vorgänger! Spielerisch ist es solide, kann aber abseits der Story Missionen auf Dauer nicht überzeugen und mit der Konkurrenz mithalten. So wie der Vorgänger! Und technisch? Hier verspielt Mafia 3 ebenfalls großes Potenzial. So sind die Charaktermodelle zwar ohne jeden Zweifel erhaben und auch New Bordeaux sieht stellenweise fantastisch aus, aber mehr als oft erinnert das Spiel grafisch an die letzte Konsolengeneration. Matschige Texturen, die erst mit Verspätung scharf gestellt werden und horrende Pop-Ups beim Autofahren nerven auf Dauer und trüben den Gesamteindruck. Leider wird das Open World Epos auch nicht vor Bugs verschont. Diese regen meist zwar eher zum Schmunzeln an, etwa wenn ein Cop plötzlich in die Luft gehoben wird, können aber auch zu Neustarts führen. So geschehen in unserer Testphase, als Aufträge nicht abgeschlossen wurden, obwohl alle Ziele erfüllt waren. Da half nur noch ein Neustart, was wirklich nicht passieren darf. Mafia 3 wirkt auf der grafischen, bzw. technischen Seite leider nicht ganz fertig. Hier hätten die Jungs und Mädels bei Hangar 13 lieber noch Feintuning an den Tag legen müssen. Positiv hervorheben möchte ich aber den Sound. Nicht nur die deutschen Sprechen machen einen fantastischen Job, nein, auch der Soundtrack ist aller erste Sahne und gehört neben der Story zu den großen Highlights des Spiels.

Und obwohl Mafia 3 an einigen Stellen an Monotonie und technischen Macken krankt, ist es doch für alle empfehlenswert, die a) den Vorgänger der Story und der Charaktere wegen mochten und b) ein Spiel spielen wollen, dass in der Erzählweise und Präsentation großen Filmproduktionen in nichts nachsteht. Könnt ihr also ein Auge bei Gameplay und Technik zudrücken, stehen euch viele spaßige Stunden in New Bordeaux bevor. Seid ihr aber eher auf das Gameplay scharf und wollt ein Open World Spiele, das auch nach einem Spiel aus dem Jahr 2016 aussieht, dann solltet ihr erst einmal Probe spielen, bevor ihr zugreift. Fans von Vito Scaletta freuen sich auf Lincoln Clays Abenteuer und ein Wiedersehen mit dem Italiener.  7.5/10 as

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