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Beitrag Review 

Horizon Zero Dawn- Review

Horizon Zero Dawn (HZD) beschreitet als Grafik-Pionier auf der neuen PS4 Pro atemberaubendes Neuland. Selbst wer nicht auf Open World-Games steht, sollte hier ein zweites Mal hinsehen. Neben der Grafik sticht auch sofort das spannende Setting hervor: In der Rolle eines kleinen Mädchens namens Aloy, das in der Wildnis von einem Ausgestoßenen aufgezogen wird, erforscht der Spieler eine postapokalyptische Welt. Hochentwickelte, tierähnlichen Roboter (mitunter Roboterdinosaurier!) bevölkern das Land, während sich die Menschen in Stämmen versammelt und von jedweder Technologie abgewandt haben. Als idealistische Heldin der Geschichte ist die starke und selbstbestimmte Aloy auf der Suche nach ihrer Herkunft und erforscht – gemeinsam mit dem Spieler – diese unbekannte Welt.


Hohes Gras und weite Pfade

Bewaffnet mit Bogen und Speer und ständig wachsenden Fähigkeiten hat man in HZD alle Mittel an der Hand, um seine Gegner unbemerkt und lautlos zu erjagen. Wem rumschleichen nicht so liegt, wird sich auf den niedrigeren Schwierigkeitsgraden auch locker im Nahkampf durchschlagen. Um versteckt zu bleiben ist Aloy auf hohes Gras angewiesen, beziehungsweise auf erhöhte Positionen die sie à la Assassin’s Creed mit Leichtigkeit erklimmt. Gegner können angelockt werden, um sie aus dem Hinterhalt zu beseitigen und es macht Spaß die variantenreichen Fallen einzusetzen. Genau wie bei Genrekollegen vergessen Gegner ein fehlgeschlagenes Attentat aber allzuschnell  und ziehen sich auf ihre vorgesehenen Pfade zurück als wäre nichts gewesen. Wer sich eine hochkomplexe Stealth-Simulation gewünscht hat wird also enttäuscht sein.

Be a hunter

Abgesehen vom  Jagen ist Aloy nebenberuflich auch noch Sammlerin.  Überall schillert und blitzt es dem Spieler entgegen und er ist gut beraten dem auch nachzugehen, denn alles ist verwertbar – zu Waffen, Munition, Tränken oder allgemeinen Upgrades. Diese können beispielsweise Aloys Pfeilköcher vergrößern oder erlauben ihr mehr Heilkräuter und wertvollen Roboterschrott einzustecken. Auch Spezialmunition oder Fallen herzustellen geht (via Radialmenü) mühelos und schnell von der Hand. So aufwändig und zäh es sich bei manchen anderen Spielen erweist, so intuitiv und einfach funktioniert das ständige Sammeln und Craften bei HZD.

Wer die besonders wertvollen “Metallblüten” entdecken möchte, muss selbstständig Orte abseits der Quests erkunden. Spieler die sich diese Zeit nehmen, werden nicht nur mit besonderen Items belohnt, sondern erfahren auch noch mehr von der Story. Das Spiel schreibt den Spielern nicht vor diese Orte zu erkunden, doch gerade deswegen ist es spannend das zu tun. Ähnlich wie bei anderen Spielen geht es dabei beispielweise um Ruinen einer alten, fast vergessenen Zivilisation – nur ist diese in der Welt von HZD deutlich höher entwickelt als die eigene.

Open World at its best

Die weitläufige Landkarte lädt zum erkunden ein, doch die Aufgaben abseits der Hauptquest bieten wenig Abwechslung. Während diese – wie etwa bei Witcher III – die Welt bereichern und unerwartete Story-Wendungen nach sich ziehen könnten, fühlen sich diese Zusatzaufgaben bei HZD oft belanglos an. Leider gibt es kaum Charaktere die wirklich herausstechen geschweige denn originell sind. Das Spiel ist bespickt mit Stereotypen, die man so schnell durchschaut wie man sie wieder vergessen hat. Dass die Charaktere so blass sind, könnte auch an der post-apokalyptischen, harschen Welt liegen. Es sei ihnen verziehen, sie sind zumindest hübsch anzusehen. Die Animation der Mimik wirkt, zumindest im Vergleich zu anderen Spielen, aber etwas starr. Es muss nicht gleich ein Cirque du Soleil der Gesichtsakrobatik sein wie bei L.A. Noir, aber bisschen mehr Emotionen hätten nicht geschadet.

Fast perfekt

In den Dialogen zeigt sich leider allzu oft, dass die Intelligenz des Spielers unterschätzt wird. Unterhaltungen wirken manchmal unnatürlich informationsüberladen und gezwungen. Ebenso befremdlich wirken die Monologe die manche Charaktere, inklusive Aloy, mit sich selber führen. Schon sobald man beispielsweise eine verschlossene Türe erblickt macht sich Aloy mit einem unnötigen Kommentar bemerkbar, bei dem sie den Spieler darauf hinweist, dass er nach einem Schalter Ausschau halten sollte. Während das Genrekollegen wie Lara Croft ebenfalls viel zu oft tun, ist es dennoch nicht entschuldbar. Diese Art der Bevormundung des Spielers schadet leider der Rollenspiel-Atmosphäre. Gerade nach dem Erfolg der Dark Souls Trilogie sollten sich Entwickler sicher sein, dass Spieler eine authentische Atmosphäre sowie Raum für Spekulation zu schätzen wissen.

Fazit

Trotz der obengenannten Kritikpunkte ist nicht von der Hand zu weisen, dass HZD grafisch neue Maßstäbe setzt. Die Lichteffekte, Landschaftsbilder und glaubhaft animierten NPCs schaffen eine stimmungsvolle Atmosphäre. Auch durch das ausgefallene Setting wirkt HZD ausgesprochen frisch und einzigartig.

Gleichzeitig erfindet HZD das Rollenspielrad mit Sicherheit nicht neu und hält sich an viele bewährte Konventionen. Darunter auch der anfangs auswählbare Schwierigkeitsgrad durch den dieses eigentlich recht harmlose Spiel auch für Veteranen interessant und herausfordernd werden kann. Der Drang alles zu entdecken ist auch bei HZD gegeben, wobei man hier recht bald das Gefühl haben kann alles bereits gesehen zu haben.

Insgesamt kann Horizon Zero Dawn mit spannenden Themen und attraktivem Gameplay aufwarten und hat definitiv einen eigenen Flair. Anders als die tragischen Helden, die wir mittlerweile gewohnt sind, spielen wir als Aloy zur Abwechslung einen zuversichtlichen Charakter mit Biss. Letzten Endes ist sie eine technikaffine Außenseiterin – wie kann man sie da nicht mögen? (8/10) en

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