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Community Blog: LISA: The Painful RPG Review

Dieses Spiel ist ausschließlich bei Steam erhältlich und wurde von mir auf einem Mac OS X System gespielt.

Mann tut was man kann
Die Aussichten sind ganz und gar nicht rosig.
Vor nicht allzu langer Zeit konnte der Mensch sein Überleben durch simple Reproduktion sichern. Alles schien in Ordnung zu sein, denn wir waren die Spitze der Evolution! Doch dann verschwanden plötzlich sämtliche Frauen vom schönen Antlitz unseres Planeten und ließen den männlichen Teil der Rasse allein und verlassen zurück. Niemand vermochte eine Erklärung für den plötzlichen Östrogenmangel zu haben und so zerbröckelte Mutter Erde Jahr für Jahr in ihre Einzelteile.

Inmitten der neu entstandenen postapokalyptischen Welt lebt Brad, ein bärtiger Kerl mittleren Alters, der seine Zeit mit Alkohol und Drogen totschlägt. Brad wäre ein Säufer wie jeder andere, hätte er nicht das weiße Bündel gefunden, das verwaist auf einer einsamen Straße lag. Dieses Baby stellt sich als wahres Wunder heraus, denn es handelt sich um ein kleines, gesundes Mädchen! Brad hält das Kind zunächst geheim, um es vor der grausamen Welt zu schützen. Doch diese Taktik bewährt sich nicht allzu lange. Brads Geheimnis wird älter und letztendlich entführt. Es liegt nun an ihm, das Mädchen welches wie eine Tochter zu ihm gehört, wiederzufinden. 

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Im Prinzip eher gewöhnlich
Wir werden mit den nötigsten Informationen und einem Ziel ausgestattet und ohne Umschweife auf das karge Ödland losgelassen. Wer mit Nintendos EarthBound (aka Mother 2) vertraut ist, erkennt sofort, aus welcher Quelle dieser Indie-Titel seine Inspiration schöpft. Farben, Formen, Musik und ein sehr eigenwilliger Humor erinnern unentwegt and das Neunzigerjahre-RPG. Eine hübsche Kulisse, die sehr zum 2D-Sidescroller passt. Kämpfe finden ebenfalls dem Vorbild entsprechend Rundenbasiert statt und sind mit einem moderaten Schwierigkeitsgrad versehen.

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Zunächst schlagen wir uns lediglich mit Brad durch die Pampa – der ehemalige Karatekämpfer hält ein paar Combos parat, die sich während des Kampfes mit den ‘WASD’ Tasten auslösen lassen. Im weiteren Spielverlauf rekrutieren wir weitere Charaktere, die unsere vierköpfige Crew auffüllen. Da wirklich sehr viele Charaktere anzutreffen sind, können wir später über ein Optionsmenü entscheiden, wer mitkommt und wer zurückbleibt.

Soweit, so gut. 
In seiner Grundform hört sich LISA wie ein ganz gewöhnliches Rollenspiel mit exzentrischer Geschichte an.
Doch wer an der Oberfläche kratzt, findet schnell den pechschwarzen Kern. 

Trust me, sugar!
Seltsam
. Ein Wort, das beim spielen von LISA permanent im Hinterkopf pocht.
Nach kurzer Zeit begegnet Brad einen harten Gangleader, der auf einem niedlichen Bambi reitet und unseren Protagonisten mit einem Truck über den Haufen fährt.

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Verletzt und ausgeliefert wird Brad vor einer schweren Wahl gestellt: Entweder ermorden die Banditen seinen neu gewonnenen (und auch im Kampf aktivem) Freund, oder er wird all seiner Sachen beraubt. Situationen wie diese begegnen uns noch öfter im Spielverlauf und verlangen gelegentlich Entscheidungen ab, bei denen auch Commander Shepard erblassen würde. Um sich den Tag (und die Statuswerte) zu versüßen, wirft Brad gelegentlich kleine Pillen namens “Joy” ein, die Ortsabhängig für eine beruhigende Abnahme oder eine dramatische Zunahme von Halluzinationen sorgen können.

trust me sugar

LISA gibt sich gern impulsiv: Im Minutentakt wird zwischen seltsamen Humor, schonungsloser Gewalt und schleichendem Horror gewechselt, ohne dabei außer Takt zu kommen. Zudem stellt das Spiel zahlreiche ernste Themen bewusst anstößig dar. Brad wird Zeuge von Verstümmlungen, Massenmorden sowie Russisch-Roulette Runden und wir lernen schnell die gemeine Seite der Apokalypse kennen. Aber LISA wirkt niemals geschmacklos – die Spielwelt steht auf einem sehr grotesken Gerüst und behandelt oben genannte Szenen stets überspitzt.

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Die Spielmechanik wurde (wahrscheinlich sogar absichtlich) etwas umständlich gestaltet. Es existiert keine Karte oder ähnliche Navigationspunkte und Brad bewegt sich im gemütlichen Schritttempo. So kann es schon mal ein paar Minuten dauern, gewisse Orte zu finden. Zudem erzählt uns das Spiel nie genau, wie der Plot vorangetrieben wird, also ist die Entdeckung auf eigene Faust gefragt.

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Zusammengefasst
Retro-Gameplay gepaart mit zahlreichen Absurditäten und einer durchaus emotionalen Geschichte,
die durch all den Dreck des Ödlandes wie ein Feuer der Hoffnung hindurch scheint.
Earthbound Enthusiasten werden das Spiel sicherlich schnell lieb gewinnen, sofern sie sich nicht von der schrulligen Freakshow abschrecken lassen.

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4 Thoughts to “Community Blog: LISA: The Painful RPG Review”

  1. klingt ganz danach, als würde ich das nie spielen

  2. ich wollte genau das gegenteil gerade schreiben. klingt sehr strange und interessant. danke für den ausgezeichneten blog 🙂

    1. Bitteschön.
      Das Spiel wurde übrigens komplett mit dem RPG-Maker gebaut.

      1. Coole Sache. Damit hab ich früher auch oft herum gespielt. Leider gibts ja keinen Mac-Client.

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