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Was ist Gaming-Journalismus in Zeiten der Fake-News? – Ein Kommentar

Was ist Gaming-Journalismus in Zeiten der Fake-NewsDas habe ich mich in den letzten Wochen immer wieder gefragt. Wie brave Leser unseres Blogs wissen habe ich unlängst ein Review zu dem neuen PS4-Exklusivtitel Nioh verfasst. Mir und auch dem Großteil der internationalen Fachpresse hat das Spiel sehr gefallen. Wenn ich ein Spiel reviewe ist es mir immer sehr wichtig auf Teilaspekte einzugehen, welche vielleicht nicht schon in anderen Reviews zu Tode bequatscht wurden. Auch hole ich mir Infos von anderen Seiten um möglichst viel über das Spiel zu wissen bevor ich dann tatsächlich starte. Bei Nioh war das sogar noch einfacher, weil man zwei Möglichkeiten hatte die Beta-Version des Spiels zu testen.

So weit so gut, was hat das aber mit dem Titel des Kommentars zu tun? Im Zuge meiner Recherche bin ich zufällig auf einen Artikel der Seite Eurogamer.de gestoßen. Was ich hier gelernt habe war es die deutschen Kollegen eindeutig von den Briten abzugrenzen. Denn was da aus der Feder des Chefredakteurs Martin Woger kam war nicht mehr schön. Lest es am besten selbst um euch ein Bild zu machen.

http://www.eurogamer.de/articles/2017-01-23-nioh-bedient-sich-nicht-ein-wenig-bei-dark-souls

Es handelt sich hier um ein Preview-Kommentar bei dem jede Objektivität flöten ging. Klar ist es oft schwer nicht zu sehr ins Subjektive abzudriften, besonders weil Videospiele von Spieler zu Spieler anders empfunden werden. Dennoch sollte man versuchen dem ganzen eine Chance zu geben. Was nicht wirklich passiert ist. Schon in den ersten Zeilen macht der Autor seinen Standpunkt klar und der restliche Text ist nur noch ein Versuch diesen zu zementieren. Immer wieder werden Phrasen wie “Das kann ich nach zwei Stunden mit Sicherheit nicht beantworten … “ eingeworfen um das Geschriebene zu relativieren, aber der Grundtonus bleibt der Gleiche.

Ich habe mit diesem Preview mehrere Problem: Nicht nur, dass nicht angegeben wird woher das Spiel nun ist (war es die Beta oder doch schon ein Testmuster?), oder die Tatsache, dass viele Anmerkungen zu dem Spiel eindeutig und belegbar falsch sind (dazu später mehr), sondern besonders, dass hier Stimmung gegen ein Spiel gemacht wird, bevor dieses überhaupt ernsthaft getestet wurde.

Ich persönlich bin ein großer Verfechter der freien Meinungsäußerung, aber als Medienproduzenten, besonders wenn die Reichweite hoch ist, haben wir die Verantwortung Konsumenten zu unterhalten und zu informieren. Oft ist es dabei schwer sich nicht im eigenen Text zu verlieren, aber der Kern sollte immer die Wahrheit sein.

Ich kann von meinem Standpunkt aus nicht sagen ob der Kommentar von Herrn Wogner einfach der Ausbruch der Enttäuschung war (er dürfte ein großer Souls-Fan sein und Nioh eben nicht mögen) oder ob es der Versuch war billig Klick-Baiting zu betreiben. Jedoch macht er negative Stimmung auf der Basis von falschen Informationen, was, wenn man den Kommentaren glauben schenken darf, zumindest mehr als nur eine Person vom Kauf des Spiels abgehalten hat.

Das ist schändlich! Seine persönliche Reichweite und Macht zu missbrauchen um Stimmung zu machen kennt man in Österreich eigentlich nur aus Klopapiermedien wie der KronenZeitung, Heute und Österreich.

Doch haben meine Behautpungen denn Hand und Fuß, oder will ich auch nur Coverage erzeugen?

Ich nehme einige Beispiele aus dem Preview und werde zeigen das Eurogamer.de offenbar keine Anstrengungen unternommen hat das Spiel ernsthaft zu testen, noch die gemachten Fehler anschließend zu korrigieren.

“ … ihr habt vier Slots für Gegenstände, einer davon ist für Heiltränke vorgesehen. Diese werden immer dann aufgefüllt, wenn ihr an einem Schrein haltmacht, dem Äquivalent für die Lagerfeuer.”

Hier sind gleich mehrere Sachen falsch. Erstens hat man 8 Schnellmenü-Slots und keine einziger ist für irgendwas reserviert. Wenn man also verrückt ist, kann man Heilgegenstände auch aus dem Menü entfernen. Zweitens werden Heiltränke zwar aufgefüllt, aber viele Gegner lassen diese auch fallen! Also ist das Spiel, zumindest wenn es um Heilung geht, deutlich freundlicher als die Souls-Reihe wo es zwar auch Heilungs-Items gibt, aber nichts kommt an die Estus-Flasche heran.

“… Der größte Kritikpunkt ist bisher die Kamera und bei einem Spiel, das so bald erscheint, erwarte ich keine Wunder. Ich mache es kurz und schmerzvoll: Die Kamera in Nioh ist richtig scheiße. Da lohnen sich keine höflichen Umschreibungen, es ist einfach Fakt. Nicht nur das, oft genug scheinen die Entwickler auch gezielt Umgebungen gebaut zu haben, die diese Schwächen betonen. Solange ihr genug Platz um euch herum habt, ist es kein großes Thema, auch wenn elegante Kameraführung was Anderes ist. Aber einen relativ schnellen, extrem harten Mini-Boss in ein Labyrinth aus Papierwänden zu setzen, wo der Spieler sofort und automatisch an die Wand gedrückt wird, was die Kamera dazu bewegt nur noch Pixel-Müll zu zeigen – und zwar verlässlich jedes Mal, wenn das passiert -, zeugt von einer gewissen Ignoranz gegenüber den Schwächen des eigenen Spiels. …”

Dazu kann man nur sagen “Wow!”. Die eigene Unfähigkeit auf ein Spiel, besser dessen Kamera, zu schieben ist schon dreist. Sich sogar Schimpfwörtern hinzugeben und dann das Spiel so herunter zu reden und dem Developer Ignoranz vorzuwerfen ist ein Tiefpunkt des Spiele-Journalismus. Besonders weil es hier keinen wirklichen Anhaltspunkt gibt.

Ich habe im Dezember ja auch die Kameraführung von “The Last Guardien” kritisiert und hinterfragt wie das Spiel aus der Playtesting-Phase kommen konnte. Jedoch war der Grund für diese Kritik nicht, dass ich das Spiel fürchterlich fand, sondern dass es ein eigentlich gutes Spiel sehr her unter gezogen hat und dafür gesorgt hat, dass ich aus der Immersion und dem Spielfluss gerissen wurde.

Martin Woger jedoch war offenbar entweder nicht klug genug einfach davonzulaufen, oder sich mit anderen Mittel zum Sieg zu verhelfen. Später merkt er an er habe Bomben verwendet und sieht dies als Verschwendung von Ressourcen. Wozu sind Bomben da, wenn nicht um einen Gegner zu sprengen?

Aber ich schweife ab. Worum geht es mir nun eigentlich. Ich habe mich also gefragt ob für einen derartigen Bericht in der Welt des heutigen Journalismus Platz ist?

Je mehr ich darüber nachdachte und mir Worte wie “Lügenpresse” “Systemmedien” und “Fake-News” durch den Kopf gingen kam ich zu dem Schluss: Nein. Kein Mensch braucht dies. Der Developer nicht, weil es sich um keine ernstzunehmende konstruktive Kritik handelt. Der Konsument nicht, weil falsche Informationen, persönliche Frustration und Abneigung vermittelt werden was keine brauchbare Analyse ist. Gaming-Medien nicht, da wir immer mit dem Vorwurf kämpfen müssen von Publishern und Herstellern bestochen zu werden. Letztlich auch Eurogamer.de und Martin Woger nicht, da so Kommentare wie eben dieser entstehen.

Ich würde es begrüßen hätte Eurogamer.de dadurch Fans verloren. Denn eine heftigere Strafe kann es nicht geben, als Fans und Kunden zu verlieren. Eurogamer.de wird es aber wohl wenig interessieren was ein kleines österreichisches Medium denkt.

Sowohl als Autor von Reviews und Kommentaren, aber auch Gamer und Konsument, erwarte ich mir mehr. Bessere Berichte, mehr Einblick, mehr Kritik und selbst wenn das alles nicht möglich ist erwarte ich zumindest Ehrlichkeit. Das sind wir nicht nur den Fans, sondern uns selbst und der gesamten Gaming-Community schuldig.

Denn wenn wir selbst nicht wachsen und erwachsen werden, dann können wir auch nicht erwarten, dass das Medium hinter dem wir stehen und welches uns soviel Freude bereitet, jemals als Kunstform angenommen und ernst genommen wird. kbm

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