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The Last Guardian – Review

2016 war das Jahr der epischen Endspurts. Wer der großen Drei, die hamburger Elbphilharmonie, die österreichische Bundespräsidentenwahl oder das japanische The Last Guardien, würde wohl zuerst endlich sein Ziel erreicht haben? Schließlich wurde die Philharmonie am 6. November fertig gestellt, am 4. Dezember in Österreich gewählt und am 6.12. trudelte auch das lang erwartete PS4-Spiel ein. Sehr spannend war dieser Wettlauf, und ob Platz 3 dieser Giganten auch bei euch daheim in der Konsole landen sollte versuche ich nun zu klären. Ich habe versucht das Review spoilerfrei zu halten, wer aber nichts riskieren will sollte gleich zum Fazit springen.


Eines gleich mal vorweg: Ich bin ein Riesenfan von Team Ico und deren beiden Meisterwerken Ico und Shadow of the Colossus (SotC). Ich persönlich fand ja Ico etwas besser, aber beide Titel sind denke ich durchaus auf Augenhöhe und jeder kann sich seinen Favoriten aussuchen. Beide Werke sind sich von Setting, Artstyle und auch musikalischer Untermalung ähnlich, aber trotzdem zeichnen sie sich durch unterschiedliche Herangehensweisen (Story, Gameplay) aus.

Auch bei The Last Guardian merkt man bald, dass man wohl wieder in die traumhafte Welt von Team Ico entführt wurde. Der minimalistische Artstyle, die Klänge im Menü und die Steuerung sind, als würde man nach einer lang ersehnten Reise endlich wieder an seinem Lieblingsplatz an der Sonne ankommen. Die Reise beginnt damit, dass man als kleiner namenloser Junge neben einem phantastischen Fabelwesen erwacht. Hier muss ich gleich jede Menge Lob versprühen. Ich finde es grandios, dass nicht einfach ein Wesen aus mythologischen Geschichten geklaut wurde, sondern dass man sich etwas ganz neues hat einfallen lassen. Das kinderfressende Monster Trico! Schnell wird aber klar, dass wir ohne dem Wesen nicht aus dem Loch in dem wir uns befinden entfliehen können. Darum wird man gleich mal gezwungen kleine Fässer zu suchen, um diese an das Tier zu verfüttern. Diese sind die einzigen Collectibles die das Spiel immer wieder versteckt. Findet man genug, so kann man für den Jungen neue Kostüme freischalten.

Das Gameplay ist relativ simpel. Es handelt sich um einen Puzzle-Platformer. Die meiste Zeit verbringt man damit Schalter zu erreichen, um den Weg für den riesen Flügelfreund frei zu bekommen, oder man muss Glasgebilde entfernen, weil sich das Federmonster vor diesen zu sehr fürchtet um weiter zu gehen. Mit der Hilfe von Trico werden Türme erklummen und später auch komplexere Rätsel gelöst. Alles in allem ist aber keines der Rätsel wirklich schwer. Im Laufe des Spiels erlangt man auch die Fähigkeit Trico Befehle zu erteilen. Zu Beginn scheint das noch super, bis man erkennt, dass die KI von Trico einen eigenen Willen besitzt. Befehle sind eher wage Bitten und das Federtier macht was ihm gerade in den Sinn kommt. Das wirkt sehr authentisch, und jeder der einen Hund hat weiß wie sehr es einen frustrieren kann, wenn dieser nicht hören will was man sagt. Doch hier hat das ganze einen Nebeneffekt. Man braucht Trico um weiter zu gelangen. Besonders im späteren Spielverlauf ist man immer öfter auf dessen Kletterkünste angewiesen und es ist mehr als einmal passiert, dass ich mehrere Minuten warten musste bis er tat was nötig war. Wild in die Tasten zu hauen bringt da leider auch nichts. Im Gegenteil – ich hatte eher das Gefühl, dass wiederholte Befehle die Situation nur verschlimmerten.

Die Umgebung und Grafik ist an vielen Stellen zauberhaft schön und die Lichteffekte sind unglaublich beeindruckend. Sei es der einzelne Strahl, der durch die Decke in eine dunkle Höhle tritt, oder aber das Licht des Tages auf einem der vielen Türme. Die musikalische Begleitung des Spiels ist eigentlich auch immer sehr stimmungsvoll. Besonders in den Kämpfen hat mich die Musik immer voll mitgerissen. Hier geht einem Trico auch wirklich super zur Hand . Immer wieder trifft das Duo auf belebte Rüstungen welche den Jungen entführen wollen. Der kleine Junge ist aber leider zu unfähig Gegner zu schlagen was zur Folge hat, dass Kämpfe eher Puzzles sind. Man muss die Rüstungen zu Trico führen, damit unser Kollege sie zerlegen kann.

Doch der einzig wahre Feind des Spiels ist die Kamera. Das habt ihr sicher schon auf anderen Websites gelesen, aber man glaubt es nicht bis man es nicht gespielt hat. Hier liegt auch der Hund begraben: Die Kamera ist nicht schlecht – Sie ist eine Zumutung. Ich verstehe wahrlich nicht wie es das Spiel aus der Testphase geschafft hat. Wie ist es möglich, dass bei einem Spiel das so lange entwickelt wurde, ein grundlegendes Element der Steuerung nicht funktioniert? Oft habe ich gehört, dass eben die lange Entwicklung das Problem sei, aber das Argument kann ich nicht gelten lassen! Denn selbst auf der PS3 (für die das Spiel ursprünglich entwickelt wurde) hätte man eine funktionierende Kamera gebraucht. Auch sind 3D-Puzzle-Platformer kein neues Genre, dass man noch ein Auge zudrücken könnte. Frustrierend ist dies besonders, wenn man durch einen schlecht eingestellten Winkel in den Tod springt. Oder wenn die Kamera in engen Räumen beginnt sich wild im Kreis zu drehen, weil sie keine gültige Position mehr einstellen kann. Das hat mich leider immer wieder aus dem Spielfluss gerissen.

Ein anderes weit verbreitetes Problem soll auch die Framerate sein. Das kann ich leider nicht bestätigen, da ich bis auf einen Ruckler eigentlich keine Probleme hatte. Immer wieder kam es jedoch dazu, dass das Bild etwas verwaschen wirkte, was vielleicht auch hiermit zusammenhängen könnte. Auch für diese technischen Probleme habe ich eigentlich kein Verständnis. Wie ist es möglich, dass ein Spiel, welches für die PS3 begonnen, dann auf der stärkere PS4 entwickelt wurde, nur auf der PS4 Pro flüssig läuft?

Aber wo viel Schatten da auch Licht: Die Story von The Last Guardian ist tatsächlich eine gute. Es ist spannend das Spiel bis zum Ende zu spielen um zu erfahren, was es nun mit Trico und dem Jungen auf sich hat. Ein Problem ist aber, dass sich die Beziehung der beiden ungleichen Freunde sehr künstlich anfühlt. Mehr als nur einmal kam es mir so vor, als würde das Spiel versuchen Emotionen aus mir herauszupressen anstatt sie tatsächlich zu erwecken. Ich persönlich habe es aber wichtig gefunden den sanften Riesen immer wieder zu streicheln, selbst wenn dies meistens keinen nennenswerten Effekt hat. Die Geschichte ist an einigen Stellen zu vorhersehbar und auch das Ende ist eher klassisch und nicht unbedingt einfallsreich. Ich persönlich fand es sehr aufregend am Ende von SotC festzustellen, dass es wohl im selben Universum wie Ico spielt. Auch in The Last Guardian gibt es Hinweise darauf, auch wenn diese sehr viel subtiler gehalten sind.


Fazit

Somit bleibt am Schluss nur zu sagen, dass The Last Guardian in meinen Augen ein Schuss in den Ofen war. Ich hätte es mir schon denken sollen als ich ein Press-Kit anstatt des sonst üblichen Pressemusters bekam. Technische Probleme, simple Rätsel (welche nur durch die Kamera “schwer”werden) und eine gute aber ziemlich vorhersehbare Story brechen diesem Titel die Flügel. Eingangs hatte ich erwähnt, dass Ico und Shadow of the Colossus Meisterwerke auf Augenhöhe sind. Das kann man bei The Last Guardian nicht behaupten; es ist von den Dreien sicher das schwächste Spiel und es tut mir wahrlich weh das laut sagen zu müssen. Sollte euch dies nicht abschrecken empfehle ich, dass ihr wartet bis das Spiel abverkauft wird, denn seinen AAA-Vollpreis ist es wirklich nicht wert. (5/10) kbm

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