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Hellblade – Senuas Sacrifice – XBOX ONE X Review

Letztes Jahr hat Ninja Theory wieder mal für Aufregung gesorgt. Grund dafür waren nicht die schlechten Verkaufszahlen, oder das provokante Thema ihres neusten Werks. Sondern das schlechte Polish des Spiels, was einige miese Reviews zur Folge hatte. Hellblade hat sich dennoch ganz gut verkauft, und könnte vielleicht sogar der erste Titel des Herstellers sein, der Geld macht. Jetzt, nach einem Jahr, ist der Titel auch auf der XBOX ONE, sogar mit X-Enhancements verfügbar. Wir haben uns angesehen, ob die Enhancements was taugen, ob das Spiel immer noch total verbuggt ist und ob ihr euer Geld für diesen Titel (und die daran gekoppelte Spendenaktion) ausgeben solltet.


Ich persönlich fand es immer bewundernswert, dass ein kleines Studio, wie Ninja Theory, immer wieder Titel schafft die zum Nachdenken anregen. Schon Heavenly Sword war ein tolles Spiel, über Hingabe und Verlust mit einem weiblichen Protagonisten. Bis auf diese Punkte war das Spiel aber nicht wirklich revolutionär; viele nannten es einen God of War Clon, was ich persönlich bis heute nicht so empfinde.

Doch jetzt hat sich mit Hellblade einiges geändert. Die Basisidee des Games war eine klassische Hero’s-Journey, aber im Geiste der Protagonistin, abzuwickeln. Schnell wurde das Projekt riesig und Ninja Theory zog auch Experten hinzu, um mit dem Umstand der psychischen Erkrankungen professionell und auch respektvoll umzugehen. Das ist wahrlich auf ganzer Strecke gelungen. Hellblade ist nicht nur ein Spiel. In meinen Augen ist es ein Erlebnis! Wir begleiten also die Titelheldin, Senua, auf ihrem Weg in die Lande der Nordmannen (Wikinger). Dabei gibt das Spiel die grandios einmalige Möglichkeit sich in einen Menschen hineinzufühlen, der an einer Psychose leidet.

Viele Details der Erkrankung sind so präzise umgesetzt, dass man wirklich nur den Hut ziehen kann. Die Stimmen in Senuas Kopf wirken, besonders mit Kopfhörern, real. Ihre Halluzinationen, aber auch ihre verklärte Sicht auf die Welt (in Form von Mustern und und Puzzlen, welche Wege freimachen) geben dem Spieler dabei das Gefühl zum ersten Mal zu verstehen, weshalb diese Menschen gewisse Muster verfolgen oder befolgen.

Interessant wird es wenn man über die Bedeutung dieser Rätsel nachdenkt. Sind diese Rätsel tatsächlich da? Oder hat Senua sich dies nur eingebildet? Und wenn es nur Illusionen waren; wie sah die Welt wirklich aus? Was ist mit all den Schattenmonstern und Kriegern die Senua auf ihrem Weg besiegt hat? Sind diese Wirklichkeit gewesen? Oder sind sie nur Ausprägungen ihres Geistes gewesen? Und wenn sie keine Täuschungen waren; Hat sie dann ihren Weg mit Leichen gepflastert?

Wenn wir schon über Kämpfe sprechen. Diese sind wahrlich traumhaft! Zuerst wirkt alles super easy. Gegner sind keine Gefahr, doch desto weiter man kommt umso taktischer werden diese.

Hier muss auch erwähnt werden, dass es kein traditionelles HUD oder Tutorial gibt. Bei vielen Spielen ist ein fehlendes Tutorial wirklich fatal, jedoch hier helfen die Stimmen, der „Spiegel“, aber auch die eigentlich minimalistische Steuerung. Die Steuerung ist auch super responsiv und priorisiert Eingaben zum Ausweichen und Blocken vor Angriffen, sodass selbst Buttonmasher, wie ich, nicht draufgehen, weil sie dem System zu viele Befehle gegeben haben.

Das fehlende Interface ist es auch, was das Spiel wirklich immersiv macht. Nichts lenkt einen ab. Außer vielleicht die Stimmen, oder die Umgebung. Ganz natürlich bewegt man sich anders durch die schöne (teils groteske), detailliert gestaltete Landschaft. Verlaufen kann man sich eigentlich nicht und es gibt sogar Lore-Stones zu entdecken, mittels welcher uns Druth näheres über die Mythen der Nordmannen erzählt. Hier kommt auch mein größter Kritikpunkt. Man muss alle diese Steine finden (was nicht immer trivial ist) um eine geheime Cutscene freizuschalten. Diese ist zwar für Senuas Weg nicht wirklich von Bedeutung, jedoch beleuchtet sie einige der Ereignisse in einem anderen Licht. Ich finde es nicht sinnvoll oder gut einen doch wichtigen Plotpoint hinter einem Collectible (die ja optional sind) zu verstecken. Besonders, weil es sich nicht lohnt das Spiel erneut zu spielen. Es gibt zu wenig zu entdecken, und wirklich alternative Wege gibt es auch nicht.

 Technisch habe ich persönlich nichts zu bemängeln gefunden. Einmal musste ich sterben, weil ich von Gegnern in eine Ecke gedrängt wurde, aber das ist auch irgendwo mein Fehler. Die XBOX ONE X-Enhanced Features kommen in diesem Spiel in drei Arten: Optimierte Grafik, Erhöhte Framerate, 4K. Ich habe alle Features ausprobiert und sehe eigentlich nur einen Modus als sinnvoll an: Optimierte Grafik. 4K ist zwar etwas schärfer, aber nicht so detailliert und die höhere Auflösung ist auch kaum wahrnehmbar. Die erhöhte Framerate führt zwar zu deutlich weniger Frameratedrops (davon konnte ich schon einige bemerken), da diese aber eigentlich nur ein Actionsequenzen vorkommen, und nicht in Kämpfen, finde ich ist diese Funktion nicht wirklich sinnvoll. Wenn jemand aber doch lieber mehr, anstatt schöne, Frames hat, dann sei dem so. Ich persönlich kann’s nicht verstehen.

Fazit:

Hellblade – Senua’s Sacrifice ist ein unglaubliches Spiel, welches sich respektvoll und auch umfangreich mit dem Thema der schizoiden Psychosen auseinandersetzt. Zwar geht es nicht auf den Terminus ein, aber Ninja Theory hat es geschafft Symptome und Erlebnisse von Erkrankten so darzustellen, dass man vielleicht einen kleinen Einblick in die Welt dieser Menschen bekommen kann. Technisch ist alles mittlerweile sauber und die XBOX ONE X Enhanced Funktionen sind auch ein netter Bonus. Das Spiel muss eindeutig von Jedermann/frau gespielt werden. Es gibt hier keine Ausreden, besonders weil der Preis von 30€ mehr als günstig ist (und es ist ja auch regelmäßig im Sale). (9/10) kbm

Hellblade – Senua’s Sacrifice ist ein unglaubliches Spiel, welches sich respektvoll und auch umfangreich mit dem Thema der schizoiden Psychosen auseinandersetzt.


Am Ende möchte ich noch kurz etwas Senf da lassen. Das Spiel ist in meinen Augen wirklich eine Meisterleistung. Leider wurde als eine Art Marketing-Gag eine Spendenaktion eingerichtet um mentalkranke Menschen zu unterstützen. Auch wenn es an der Aktion generell nichts zu kritisieren gibt (vielleicht etwas mehr Transparenz wäre wünschenswert), finde ich sollte man ein Spiel nicht an Wohltätigkeit koppeln. Wenn man spenden will, dann soll man dies tun. Wenn man ein Spiel kaufen will, dann soll man dies tun. Und beides ist zutreffend! Das Spiel ist eine absolute Kaufempfehlung, Sowie auch spenden für wohltätige Zwecke immer zu begrüßen ist. Aber ich finde es persönlich ethisch nicht vertretbar Käufer zu animieren, weil man ab 50.000 Units einen gewissen Betrag spenden wird. Lieber sollte das Spiel für sich selbst sprechen. Was Hellblade auch definitiv tut.

Wenn ihr dennoch mehr zu Krankheiten des Geistes wissen wollt, habe ich euch hier eine Playlist angehängt die in die Wissenschaft der Psychologie eintaucht (leider auf Englisch). Und wenn ihr tatsächlich für ne gute Sache Spenden wollt findet ihr hier auch einen Link.

 

Für Spenden und mehr Informationen hier klicken: Hilfe für Angehörige psychischer Erkrankungen – Österreich

 

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