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Entwickler-Interview mit Christian Haumer

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Martin: HumePage-Betreiber, Podcaster, Blogger, Let´s-Player, Musiker, Bandleader, Sproing-Mitarbeiter und Spieleentwickler. – Das klingt nicht nur beeindruckend, sondern das ist es wohl auch. Bevor wir aber auf deine Projekte zu sprechen kommen, stell dich bitte kurz unseren Lesern vor.

Christian: Servus Martin, Hallo Nerdkeller Leser! Vielen Dank für die Chance, dieses Interview führen zu dürfen. Mein Name ist Christian Haumer, im Internet bin ich unter dem Pseudonym humaldo unterwegs. Ich liebe es, Dinge zu erschaffen, bei der Entstehung von etwas Neuem mitwirken zu können und Neues auszuprobieren. Das ist vermutlich auch der Grund für die vielen Tätigkeiten, die du in deiner Einleitungsfrage aufzählst 🙂

Martin: Erzähl uns von chronerion entertainment, welches Ziel du damit verfolgst und wie es dazu kam ein eigenes Hobby-Studio zu eröffnen.

Christian: Vor etwa vier Jahren stellte ich mir die Frage, was eigentlich dazu gehört, um ein eigenes Videospiel zu machen. Ich spiele schon seit meiner Kindheit, aber über die Spieleentwicklung wusste ich nur recht wenig. Auslöser dafür war, dass in mir eine Idee für ein Spiel herangereift ist, die nicht mehr verschwinden wollte. Schließlich entschloss ich mich dazu, dieses Spiel wirklich zu entwickeln und rief dafür chronerion entertainment ins Leben.

Martin: Wer dich kennt, deine Blogbeiträge und deine Videos, als auch Podcasts verfolgt hat, weiss natürlich, dass du ein großer Fan von klassischen Point ‘n’ Click Abenteuern bist. – Angenommen wir ziehen die berühmt berüchtige „Einsame Insel“ heran. Welche drei Adventure-Games würdest du mitnehmen und warum.

Christian: Ganz klar: Maniac Mansion muss dabei sein. Hmm. Und die beiden anderen Spiele wären Monkey Island 1 und 2. Es gibt zwar inzwischen unzählige andere gute Adventures, aber diese drei Spiele könnte ich einfach bis in alle Ewigkeit immer und immer wieder spielen.

Martin: A Fragment of Her erinnert sofort an die guten alten LucasArts Games. Hat dich ein Spiel besonders in der Entwicklung beeinflußt?

Christian: Dass „A Fragment of Her“ an die alten LucasArts Games erinnert, ist in erster Linie Stefan, unserem Artist, zu verdanken. Er ist Spezialist für handgezeichnete Pixel-Art, die eben etwas and die Spiele erinnert, die um 1990 herum erschienen sind. Es spielt sicher auch mit, dass wir die gleiche Auflösung und Schriftarten verwenden, die bei LucasArts Spielen damals verwendet wurden. Aber „A Fragment of Her“ an sich ist eigentlich von keinem Spiel beeinflusst worden. Wir wollten einfach eine kleine Geschichte erzählen und haben ein einfaches, kurzes Point & Click Adventure daraus gemacht.

Der unverkennbare Charm alter Point´n Click Games wurde sehr gut eingefangen
Der unverkennbare Charm alter Point´n Click Games wurde sehr gut eingefangen

Martin: Beim ersten chronerion entertainment Titel handelt es sich um eine Kurzgeschichte, die in erster Linie zeitgerecht zum so genanntem „Point & Click Jam 2014“ fertig gestellt werden sollte. Können wir damit rechnen, dass eine Fortsetzung erscheinen wird oder ist es noch zu früh darüber zu sprechen?

Christian: Wir arbeiten in der Tat bereits an einem Nachfolger, der ebenfalls ein eher kurzes und kompaktes Erlebnis werden wird. Wann dieser erscheinen wird können wir aber leider noch nicht sagen. Da es aber wieder eine „Interaktive Kurzgeschichte“ werden wird, sollte es sich hier um Monate und nicht um Jahre handeln – Hoffen wir zumindest 🙂

Martin: Wird angestrebt, dass „A Fragment of Her“ auch für mobile Geräte zugänglich gemacht wird ? – Vor allem auf Tablets spielen viele Leute gerne klassische Point´n Click Adventures, da die Steuerung einfach perfekt auf dieses Genre zugeschnitten ist.

Christian: Für „A Fragment Of Her“ ist das leider nicht möglich. Das Spiel wurde mit der „Adventure Game Studio“ Engine hergestellt, die für Windows Computer gemacht wurde. Das Spiel auf Tablets zu portieren würde einen riesigen Aufwand darstellen, den wir uns nicht leisten können. Unsere nächsten Spiele werden voraussichtlich aber mit Unity 3D gemacht, welches viel einfacher auf andere Systeme zu portieren ist. Schauen wir mal 🙂

Martin: Wie groß war der Arbeitsaufwand für „A Fragment of Her“ bzw. wie lange habt ihr an dem Titel gearbeitet?

Christian: Wir haben leider die Zeit nicht erfasst, aber es müssen einige Wochen gewesen sein. Das Spiel entstand ja in unserer Freizeit neben unseren 40 Stunden Jobs. Während den zwei Wochen des Gamejams haben wir quasi unsere ganze Freizeit in das Projekt gesteckt, jeden Tag sicher so an die 6 bis 10 Stunden. Nach dem Gamejam war es dann deutlich weniger Zeit, aber sicher immer noch so 2-5 Stunden pro Tag.

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Die liebevoll gestalteten Settings harmonieren perfekt mit dem Soundtrack und der Story

Martin: Das Spiel wurde gemeinsam mit zwei Freunden von dir entwickelt. – War es schwierig das Artdesign, Scripting, usw. auf die Soundkullisse von Florian Scherz abzustimmen bzw. steck hinter all den Faktoren (Idee, Story, Scripting, Writing, Musik) nicht ein gewaltiger Aufwand für nur drei Personen?

Christian: Anfangs hatten wir eigentlich nur die roh ausgearbeitete Story und ein paar Ideen für Rätsel. Der Rest ist dann von alleine während dem Jam entstanden. Das coole an einem Gamejam ist, dass man einfach darauf los arbeiten muss und es kein Zurück gibt – zumindest nicht wenn man sein Projekt durchziehen will. Die Musik entstand übrigens während einem etwa 3-stündigen Skype Call mit Florian mitten im Jam, wo ich ihm meine Ideen erklärt habe und er sie in musikalische Form gebracht hat.

Martin: Haben große Produktionen im Point´n Click Genre überhaupt noch eine Zukunft oder würdest du das Ganze mittlerweile als Nischengenre bezeichnen?

Christian: Klar sind klassische Point & Click Adventures inzwischen ein reines Nischengenre. Zumindest wenn sie viele anspruchsvolle Rätsel im Stile der alten LucasArts Titel enthalten und viel Geduld und Zeitaufwand einfordern. Aber jede Nische hat seine treuen und extrem dankbaren Fans, die auch bedient werden wollen. Für kleine Nischenmärkte ist halt aber auch weniger Budget und weniger Umsatz vorhanden, womit man sich als Entwickler arrangieren muss. Pixel-Art ist beispielsweise recht günstig und schnell herzustellen. Vermutlich ist dass der Grund, warum diese Stilistik gerade im Indie Bereich so beliebt ist.

Interactive Stories hingegen sage ich eine rosige Zukunft voraus. Spiele wie „The Walking Dead“, „Life is Strange“ oder „Heavy Rain“ sind quasi die Enkelkinder der „guten alten“ Point & Click Adventures. Diese Spiele konzentrieren sich vor allem auf Story und Charaktere und weniger auf Rätselspaß. Ich persönlich finde das voll ok und der Erfolg gibt diesen Spielen ja recht.

Martin: Was hältst du von Ron Gilbert´s und Gary Winnick´s neuem Projekt „Thimbleweed Park“?

Christian: Als großer Fan von Maniac Mansion freue ich mich natürlich sehr auf das Spiel und habe es sofort über Kickstarter unterstützt.

A Fragment of Her kann kostenlos heruntergeladen und gespielt werden. Die Demoversion kann sogar direkt im Browser probiert werden.
A Fragment of Her kann kostenlos heruntergeladen und gespielt werden. Die Demoversion kann sogar direkt im Browser probiert werden.

Martin: Lässt es deine Zeit zu, dass wir in Zukunft wieder humeCASTs bekommen werden bzw. wie stehst du allgemein zu Podcasts?

Christian: Ich habe den humeCAST damals sehr gern gemacht, aber ich war da auch Student und hatte viel mehr Zeit als heute. Mir war Qualität immer extrem wichtig und deshalb habe ich den humeCAST eher als Radiosendung aufgezogen und weniger als Podcast. In jede Folge sind mehrere Tage Recherche und Vorbereitung geflossen und auch das Schneiden und Fertigstellen dauerte meistens mindestens einen Tag. Diese Zeit habe ich heute leider einfach nicht mehr. Ich selbst liebe Podcasts sehr, höre aber leider nur mehr wenige, weil ich die meiste Zeit ins Spieleentwickeln stecke. Ich muss dabei immer sehr konzentriert arbeiten und kann nebenbei nichts hören, leider.

Martin: Ein letztes Wort noch an unsere Leser?

Christian: Vielen Dank für Euer Interesse an diesem Interview und dem kleinen Spiel „A Fragment of Her“! Es würde uns, das chronerion entertainment Team, sehr freuen, wenn ihr es ausprobiert und uns vielleicht sogar mitteilt, wie es euch gefallen hat! Wir sind jederzeit für Kritik offen, auch wenn es negativ ausfallen sollte.


Fazit

Es ist immer schön zu sehen, dass es noch Leute gibt, die einem Nischengenre, wie Point n Click-Games ihr ganzes Herzblut schenken und dann sogar eigene Projekte auf die Beine stellen. – Wir haben “A Fragment of Her” natürlich gespielt und sind hellauf begeistert. Hier ist an jeder Ecke die Liebe zu dem Projekt zu fühlen, die Geschichte ist kurz und knackig und es macht Lust auf mehr. – Wir von Nerdkeller bleiben natürlich mit Christian und seinem Team in Kontakt und berichten auch in Zukunft über die Projekte von “Chronerion Entertainment”.

Quellen:

Zum Spiel: http://www.chronerion.com/a-fragment-of-her/

Humepage: http://www.humepage.at

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4 Thoughts to “Entwickler-Interview mit Christian Haumer”

  1. **NEWS*** Nach zwei harten #AdventureJam Wochen haben wir gestern den Nachfolger zu “A Fragment of Her” veröffentlicht: “Being Her Darkest Friend”. Das Spiel ist auf Deutsch (Englisch wird asap nachgeliefert) und kann direkt im Browser gespielt werden:
    http://gamejolt.com/games/adventure/being-her-darkest-friend/57026/
    Viel Spaß 🙂

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