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Ein Review – Dragon Age: Inquisition

Gespielt wurde die PlayStation 4 Version.

Das Loch im Himmel
Thedas muss erneut schwere Tumulte ertragen. Der seit Jahren vor sich hin brodelnde Konflikt zwischen Magier und Templer resultierte in einer unausweichlichen Eskalation und stürzt den gesamten Kontinent ins Chaos. Ohne Rücksicht auf Verluste verwickeln sich die beiden Parteien immer wieder in blutige Schlachten, die auch Zivilisten in die Grausamkeit des Krieges ziehen.
Als ob dies noch nicht genug wäre, bricht plötzlich die buchstäbliche Hölle los, als grün schimmernde Risse am Himmel erscheinen. Die klaffenden Löcher über den Wolken spucken unaufhörlich Dämonen und andere Abscheulichkeiten aus, die nach dem Tod dürstend durch die Länder streifen.

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Die Welt bricht zusammen und wir stehen in der Mitte des Geschehens. Als Überlebender/Überlebende einer verheerenden Explosion waren wir zur falschen Zeit am falschen Ort und erhielten eine geheimnisvolle Kraft, mit der das schließen der Himmelsrisse möglich ist.
Mithilfe neuer Verbündeter gründen wir eine Organisation, die das baldige Ende des Krieges erwirken soll: die Inquisition.

Ein Held nach meinem Geschmack
Wer den Karren letztendlich aus dem Dreck zieht, bleibt uns überlassen.
In den Eröffnungsminuten präsentiert das Spiel einen geradezu exzessiven Charaktereditor, der mit allerlei Schiebern und Reglern ausgestattet ist. Es stehen insgesamt vier Rassen (Mensch/Zwerg/Elf/und Biowares Eigenkreation Qunari) zur Auswahl, die sich komplett nach eigenen Wünschen modellieren lassen.

Kampfklassen wurden ganz konventionell in drei Bereiche aufgebrochen: Schurke, Krieger und Magier.  Wer zudem die beiden Vorgänger von Inquisition gespielt hat, kann mithilfe einer Website (und einem Origin Konto) alte Spielstände laden, damit auch die Vergangenheit von Thedas nach eigenen Vorstellungen geformt ist. Wurde alles zur eigenen Zufriedenheit eingestellt, wirft uns das Spiel zunächst in ein fulminantes Intro, welches zugleich als kleines Kampftutorial dient.

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Schlachten werden stets mit vier Personen bestritten und bieten flotte Action mit taktischer Note. Gewöhnlicher Angriff erfolgt mit Druck auf die Schultertaste, während Spezialmanöver über die restlichen Knöpfe per Shortcut erreichbar sind. Wir können laufend zwischen unseren Kämpfern wechseln und somit jede Figur auf dem Feld direkt befehligen. Für einen besseren Überblick sorgt zudem die neue “Taktik-Ansicht”, die es zuletzt nur für die PC Version von Dragon Age: Origins gab. Sie friert das Geschehen komplett ein und ermöglicht eine Übersicht aus der Vogelperspektive. Auf diese Weise können wir gemütlich die nächste Attacke planen, Angriffsketten veranlassen oder Gegnergruppen flankieren.

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Levelaufstiege werden mit Erfahrungspunkten verdient und mit jeder neuen Stufe wartet ein Fertigkeitspunkt auf seinen Einsatz. Die Fertigkeitsbäume wurden in Sinnvolle Kategorien unterteilt und erklären jederzeit leicht verständlich, welcher Skill was macht. Krieger, Schurken und Magier spielen sich grundsätzlich unterschiedlich und lassen sich großartig für Kettenmanöver kombinieren. Insgesamt gesehen ist das Kampfsystem recht Einstiegsfreundlich gestaltet, bietet aber vor allem in den höheren Schwierigkeitsgraden genügend Tiefe für erfahrene Rollenspieler.

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Weltenbummler
Zunächst möchte niemand die Inquisition sonderlich ernst nehmen, also liegt es an uns, den Ruf etwas aufzupolieren. Wie viele andere Anführer auch übernimmt der Inquisitor zwei Hauptaufgaben: das treffen wichtiger Entscheidungen und das erlangen von Macht. Entscheidungen eröffnen sich immer dann, wenn die Hauptgeschichte vorangetrieben wird. Dragon Age: Inquisitions Story ist weitaus mehr, als ein „Abenteuer in dem man die Welt rettet“. Wir lernen im Laufe der Zeit das feine politische Laufwerk von Thedas kennen und  verstricken uns immer mehr in die Intrigen dieser sehr erwachsenen Geschichte. In der Regel bleiben uns immer zwei oder mehr Möglichkeiten, ein Problem zu lösen. Wer wird unterstützt? Wen zieht die Inquisition zur Rechenschaft? Entscheidungen fühlen sich stets schwerwiegend an und verändern die Welt zu unseren Wünschen.
Um die Geschichte fortlaufen zu lassen, benötigen wir „Machtpunkte“, die durch das erfüllen von Nebenaufträgen verdient werden. Dragon Age ist ein großes Spiel. Seine Welt teilt sich in zwei Länder auf, die unterschiedlicher nicht sein könnten: das bodenständige (und bereits bekannte) Ferelden sowie das pompöse, Luxusverwöhnte Orlais.

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Wir entdecken und bereisen neue Gebiete und Städte über die Karte in unserem Kriegsraum. Der Kriegsraum dient sozusagen als „Hub“ und präsentiert uns sämtliche „aktive“ sowie „passive“ Aufträge. Passive Aufträge umfassen kleinere Aufgaben, die mit einem Timer versehen sind und nur von den drei Beratern der Inquisition erledigt werden können. Wir entscheiden, ob sich unser Botschafter, Spion oder Militärgeneral um die Missionen kümmert und erhalten im Gegenzug wertvolle Gegenstände, Einfluss oder Geld für die Inquisition.

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Aktive Nebenmissionen sind quer in den vielen Untergebieten verteilt, die wir nach und nach freischalten. Verseuchte Sümpfe, sengende Wüsten oder grün blühende Wälder – es wird ein bunter Strauß an Gebieten präsentiert, die allesamt über eine stattliche Größe und unzählige Aufgaben verfügen. Zwischen klassischer „finde den Gegenstadt“ und „errichte neue Camps“ Missionen findet sich hier und da eine interessante Geschichte, die mit spannenden Aufgaben verknüpft ist. Struktur und Aufbau erinnern stark an andere RPG Vertreter wie die Elder Scrolls Reihe, oder MMORPGS. Trotz der eher simplen Natur dieser Aufgaben macht es Spaß, die Welt von Dragon Age zu erkunden. Schöne Grafik, kleine Geheimnisse und anspruchsvolle Kämpfe sorgen dafür, das es nicht so schnell langweilig wird.

Im Herzen des Geschehens
Kampfsystem und Missionsdesign sind gut, werden aber von der absolut mitreißenden Geschichte und der daraus resultierenden Atmosphäre ausgestochen. Wie bei Bioware üblich, wurden die neun Begleiter und drei Berater des Inquisitors exzellent geschrieben und eingesprochen (zumindest in der englischen Originalversion).

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Jeder von ihnen hat einen besonderen Platz in der Geschichte und gibt Stück für Stück mehr von seiner Vergangenheit und sich selbst preis. Sie stellen eine emotionale Bindung zum Spieler her und lassen uns auf diese Weise näher am Geschehen sein. Auch unser Inquisitor besitzt je nach Rasse einen anderen Hintergrund und formt seine Persönlichkeit so, wie wir es uns vorstellen. Im späteren Verlauf kommen wir außerdem in den Besitz einer kompletten Festung, die sich nach eigenen Wünschen gestalten und renovieren lässt.

Insektenspray wäre angebracht
Die Schönheit der Inquisition wird von einem großen Problem geplagt: Bugs. Eine Anzahl von Bugs, die man ansonsten eher in einem Bethesda Rollenspiel erwartet. Audioaussetzer, eingefrorene Zwischensequenzen, Clipping und in seltenen Fällen sogar ein Absturz des Spiels. Vielleicht muss sich Bioware erstmal an die neue Größenordnung ihrer Spiele gewöhnen, doch das ist keine Ausrede für die vielen kleinen Nerv-Faktoren, die einem in der langen Kampagne begegnen können.

Zusammengefasst
Ein sehr ambitionierter Titel, der mit ca. 90 Stunden Spielzeit eine gewisse Zeitinvestition vom Spieler verlangt. Wer sich drauf einlässt und über technische Einbrüche hinwegsehen kann, bekommt mit Dragon Age: Inquisition die bisher beste Rollenspielerfahrung der neuen Konsolengeneration.

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7 Thoughts to “Ein Review – Dragon Age: Inquisition”

  1. Wie immer ein fantastisches Review von dir. Danke. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mir das Spiel auch sehr bald holen werde. Das Lesen macht echt Lust auf mehr. 🙂 Danke vielmals.

  2. Vielen Dank für die Komplimente. Ich weiß ja, das du den zweiten Teil nicht gespielt hast, also empfehle ich einen kleinen Story-Crashkurs für Dragon Age 2, ehe du diesen Teil ins Laufwerk legst. So kann der Konflikt nämlich viel besser verstanden werden 🙂

  3. Alles klar. Danke vielmals. Ich fände ja vor allem bei Generationswechsel schlau, wenn die Handlungen der Vorgänger zusammengefasst vor dem Hauptspiel erzählt wird. Ähnlich wie bei Mass Effect 3 auf der Wii U. Das wäre wünschenswert.

  4. das ist sicher ein tolles spiel. auch das geschreibe gefallt mir gut. du schreibst sehr schön. du könntest ein bilderbuch schreiben, weil sich kinder sicher freuen wenn wer so super schreibt.

  5. sorry, dass ich mich jetzt mit richtung off-topic reissen lasse, aber “ein Bilderbuch schreiben” ?! omg. entweder du bist genial oder einfach nur lustig. ist wirklich nicht böse gemeint, aber du unterhält mich echt grandios gut @cat95 😉

  6. Ein hervorragendes Review! Hat mir den Spätdienst in der Arbeit versüßt 😉

  7. Das freut mich 😉 Ich halte gerne Leute von der Arbeit ab.

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