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Die Gamingindurstie oder Kapitalismus auf Koks

In den letzten Wochen und Jahren sieht man im Gaming eine Entwicklung die vielen (mitunter mir) nicht so ganz passen. Ich rede hier weder von DLCs (diese können ja oft echt gut sein), noch von Microtransaktionen (die oftmals eigentlich keinen Einfluss auf das Spiel haben), sondern einem Systemproblem, welches vielen Zockern weltweit nicht klar war/ist. Gaming ist ein Business. Ein knallhartes noch dazu! Fortnite, GTA5 und auch Candycrush machen mittlerweile weit mehr Umsatz als Filme, Bücher oder Musik. Im Prinzip eine tolle Zeit für Gamer! Endlich bekommen die Studios,welche uns mit Zeitvertreiben beglücken auch die die finanziellen Mittel um immer ausgefallenere und größere Projekte zu stämmen.

Candy Crush ist nach wie vor eine Cashcow

Doch das ist zumeist nicht die Realität. Gaming as a Service, was lange Zeit von Ubisoft gepushed wurde, gewann an Popularität. Microtransaktionen sind gemeinsam mit Lootboxen so aus dem Ruder gelaufen, dass einzelne Staaten betroffene Spiele unter das Glücksspielrecht gestellt haben.Parallel dazu fordern die Zocker dieser Welt aber wieder mehr Singleplayer-Titel, da die Onlinewelt (und die damit verbundene Toxizität) nichts für jedermann ist.

Somit bewegen sich die Industrie und ihr Zielpublikum immer weiter auseinander. Ein Dilemma welches es zu lösen gilt, weil ein solches System auf Dauer nicht aufrecht erhalten werden kann.

Doch woher kommt diese Entwicklung? Sind Developer und Gamedesigner nicht Nerds wie wir, die im Keller ihrer Eltern epische Weltraumschlachten zum Leben erwecken? Sind es nicht Gurus, die nur durch den Antrieb ein Spiel zu entwerfen plötzlich Ernährung mittels Photosynthese erlernt haben? (wobei das im Keller wohl schwer wird)

Wohl kaum. Gaming ist ein Geschäft. Und zwar im Moment eines der lukrativsten der Welt! Der Split von dem ich zuvor gesprochen habe entsteht aber nicht primär daraus, dass Developer auf die Community kacken und machen was sie wollen. Hinter so gut wie jedem Spiel steht nicht nur der Entwickler, sondern auch ein Publisher. Dieser will am Ende des Tages Gewinn aus dem von ihm finanziertem Produkt schlagen. Und hier beginnt die Krux an der Geschichte.

Die meisten Publisher sind börsennotiertere Unternehmen. Somit steht hinter der Firma nicht ein wohltätiger Multimillionär, der halt gern zockt, sondern viele andere Firmen, als auch Privatpersonen, die gerne Rendite aus ihrer Investition haben wollen. Diese Renditen sollen nicht, sondern müssen steigen. Jedes Jahr. Jede Minute. Selbst die Vorhersage muss steigen. Damit beginnt ein Kreislauf, der wahrscheinlich nicht ewig aufrecht erhalten werden kann.

Jetzt kommen sicher die Gedanken und Kommentare „Aber Nintendo macht das alles auch nicht“ „Nintendo hat soviele Cashreserven“ „BigNin 4evaaaaaa“. Dazu nur zwei Dinge bevor ich weiter mache: Erstens macht Nintendo sehr wohl DLCs (wobei teilweise kostenlos), Super Mario Run war die teuerste Abzocke in der Geschichte des Appstores, und Amiibos sind teure Figürchen, die sich toll sammeln lassen, nen Haufen Kohle kosten und eigentlich wenig nutzen für die User bringen (über das restliche Merchandise brauchen wir gar nicht erst reden). Also heilig ist dort also auch keiner.

Zu den Geldreserven: Nintendo hat hier einen anderen wirtschaftlichen Zugang der eigentlich vollkommen konträr zu jeglicher Vernunft läuft. Kapital welches man hat, soll/muss man investieren. Nintendo tut dies nicht wirklich, oder nur sehr zaghaft. Kaum hat Microsoft ein wenig zuviel Kaptial werden Studios gekauft. Kaum hat Epic Kapital wird ein Steamkonkurrent gebastelt. Kapital muss im Fluss bleiben; das ist eine der Grundfesten des Kapitalismus. Damit Kapital wächst, muss man es investieren und entwickeln.

Da Nintendo dies nicht macht, gibt es auch viele Investoren die der Firma durchaus kritisch gegenüber stehen. Oftmals werden Entscheidungen der Führung mit einem richtigen Börsenabsturz begleitet. Man sollte dies also nicht nur als Positiv erachten (wobei es die Firma schon mehr als einmal über Wasser gehalten hat), sondern auch hinterfragen. Egal wie man dazu stehen mag, hier ist auch nicht der heilige Gral begraben.

Auch das gerne angeführte CD Project Red sollte man kritisch hinterfragen. Ihr daily business ist GoG (toller Service!), doch bejubelt werden deren Spiele, wie die Witcher Reihe. Das ist auch gerechtfertigt, jedoch hatte The Witcher 3 selbst nach 2 Jahren immer noch nicht den Breakevenpoint (also der Punkt an dem die Einnahmen zum erstenmal die ursprünglichen Ausgaben decken) erreicht. Ohne GoG und die doch billigeren Produktionskosten in Polen wäre so etwas wohl nicht möglich gewesen. Bei etwa Ubisoft wäre etwas Derartiges sicher nicht im Bereich des Machbaren gelegen!

Doch am anderen Ende der Extreme haben wir mit EA und Activision zwei Firmen die es verstehen wie kaum andere aus ihren Investitionen den größtmöglichen Gewinn zu schlagen und gleichzeitig ständig Kapital im Fluss zu halten. Es ist eindeutig beeindruckend welchen Zugang diese Firmen zur Industrie haben und was sie mit ihren Entscheidungen verändert haben. Hier ist natürlich auch nicht alles Gold was glänzt. Activision setzt gerade Blizzard die Daumenschrauben an, weil Projekte zu lange dauern und teilweise nicht den Return erbringen den man sich erhofft (Massenkündigungen stehen auch schon an). EA hat Lizenzen und Studios en masse, schafft es aber immer wieder durch extrem aggressive Moneygrabs die Kunden zu vergraulen. Hier ist denke ich Battlefront 2 ein Paradebeispiel: ein eigentlich wirklich gutes Spiel, auf welches Millionen Fans gewartet hatten, verkaufte sich zwar immer noch gut, aber weit ab der eigentlichen Vorhersagen und auch die Presse rund um das Spiel hat EA nachhaltig geschadet. Einer meiner aktuellen Lieblingtitel, Destiny 2 Forsaken, ist ein weiteres Beispiel. Das Spiel war zwar lange Zeit eines der am bestverkauften Games, jedoch war Activision immer noch nicht zufrieden, was dann schlussendlich dazu geführt hat, dass Bungie sich dazu entschlossen hat eigene Wege zu gehen und Destiny selbst zu publishen.

Doch parallel dazu entwickeln sich Indiestudios prächtig und bringen immer wieder Neues auf den Markt, wobei es nicht jedesmal auch zum finanziellem Erfolg kommen muss. Hellblade war lange Zeit nicht mal im Ansatz dabei den Breakevenpoint zu erreichen (wurde dann doch geschafft und dann wurde Ninjatheory von Microsoft gekauft) und das obwohl es international hohe Wellen geschlagen hatte. Mittlerweile gibt’s zu dem Spiel sogar eine Retailversion, weil die Nachfrage so hoch war.

Doch worauf will ich mit dem vielen Getippsel nun eigentlich hinaus? Egal wie man es dreht und wendet, die Industrie ist an einem Punkt angelangt wo man sich fragen muss wie es weiter gehen soll. 2018 haben wir zwar einige wirklich bombastische Singleplayertitel, wie God of War, Octopath Traveller, oder Red Dead Redemption 2 (wobei ich bei RDR Online schon wieder Schreckliches befürchte) bekommen, jedoch sehen wir auch den Trend dazu, dass Publisher den Spielern ihr Geld aus der Tasche ziehen wollen. Dabei hat sich aber die Mentalität in meinen Augen massiv verschlechtert,weil es in den letzten Jahren nicht mehr darum geht erfolgreich zu sein und Geld zumachen, sondern jedem Spieler jeden Cent aus den Taschen zu schütteln. Es geht nicht mehr darum einen fairen Gewinn zu erreichen, sondern tatsächlich darum jedem Menschen vor einem Bildschirm jeden Euro abzuluchsen. Dass ein derartiges System auf Dauer einfach keinen Bestand haben wird, sehen wir an den Verkäufen einiger Titel, aber auch an den Reaktionen in Foren und an der Börse. Gleichzeitig zeigen immer mehr Developer auf, dass sie unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten müssen, was nun auch nicht das Ziel sein kann.

Doch hat sich der Kapitalismus nun selbst überlebt? Ich denke nicht! Zum einen hat Gier die Industrie in den 80ern bereits einmal schon beinahe komplett vernichtet (hoffentlich haben wir unsere Lektion gelernt), zum anderen entwickeln sich nun schon Gegenströmungen. Free-to-play und Pay-as-you-wish Titel wir Apex Legends oder eben Fortnite sind massiv auf dem Vormarsch. LoL macht dies ja auch schon seit geraumer Zeit sehr erfolgreich! Microsoft dagegen will die Xbox-Marke immer stärker ausbauen und zukünftig Abos für Konsolen und den Gamepass anbieten. Auch Sony geht mit Playstation Now immer mehr in die Richtung Streaming und Downloads auf Zeit. Amazon und Google wollen auf diesen Zug auch aufspringen, was sicherlich spannend und hoffentlich auch positiv für uns User sein wird, denn Konkurrenz belebt das Geschäft. Noch denke ich ist die Technologie noch nicht ganz da um komplett auf Downloads oder physische Medien zu verzichten, aber auch das Zielpublikum kann sich noch nicht komplett davon trennen.

Das Jahr 2019 wird wahrlich noch ein spannendes werden und besonders die neuen Konsolengenerationen in den nächsten Jahren werden wohl eine gewisse Richtung vorgeben. Müssen wir uns nun fürchten? Ich denke nicht, aber die Industrie hat wahrscheinlich eine harte Zeit vor sich, denn der jetzige Trend ist, so schnell er gekommen ist, nun auch schon wieder am abflauen. Ich denke wir werden sehen, ob die Wünsche der Konsumenten, oder die der Investoren am Ende des Tages siegen werden. Nicht immer haben wir als Gamer bekommen was wir wollten, doch bisher waren wir standhaft und schlagfertig. Darauf sollten wir stolz sein, auch wenn unsere Motive nicht immer die besten waren. Ich zumindest freue mich auf die Zukunft und auch darauf weiterhin an der Weiterentwicklung dieses noch immer jungen Mediums teilhaben zu dürfen.

Karim

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